Gutland; © déjà-vu film
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Film noir - "Gutland"

Bewertung:

Ein Mann kommt in ein kleines Dorf, das idyllisch in der Landschaft gelegen ist. Man kennt solche Szenen aus dem Western: der Fremde ohne Namen, der Ordnung schafft, Missstände beseitigt.

Im europäischen Film ist es meistens eher so, dass eine eingeschworene Gemeinde dem Fremden gefährlich wird. "Gutland" ist das Spielfilmdebüt des Belgiers Govinda van Maele, prominent besetzt mit den deutschen Schauspielern Frederick Lau und Vicky Krieps. Nachdem der Film auf vielen Festivals ausgezeichnet wurde, kommt er jetzt bei uns in die Kinos.

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Gutland heißt diese Gegend in Luxemburg in der Nähe der deutschen Grenze tatsächlich. Die Dorfbewohner reagieren zunächst ruppig reserviert auf den Neuankömmling, der mitten in der Erntezeit noch einen Job als Erntehelfer sucht, nur um ihn alsbald irritierend offen und warmherzig, geradezu vereinnahmend in ihrer Mitte aufzunehmen. Sie statten ihn mit Frau, Kleidern, Wohnung und Schutz aus. Zum Beispiel vor zwei deutschen Polizisten, die sich nach drei Casino-Räubern aus Deutschland erkundigen. Hier gäbe es nur einen Deutschen, und der sei schon viel länger da, behauptet der Bürgermeister und keiner widerspricht ihm.

Unerklärlich und rätselhaft

Was hat es mit dem siamesischen Zwillings-Doppelporträt von Frederick Lau auf dem Filmplakat auf sich, einmal mit langen und einmal mit kurzen Haaren? Dazu nur soviel: Unerklärlich und rätselhaft ist hier so Einiges, als surrealistischer Film Noir wird Gutland beworben, dunkle Geheimnisse hegt hier nicht nur Jens, sondern auch die Dorfbewohner.

Über Licht, Kameraführung und Schnitt baut der Film eine schöne Spannung auf, zwischen der scheinbar harmlosen Idylle im Dorf und der umliegenden Landschaft, und düsteren Szenerien, wie dem verlotterten Wohnwagen, der nachts im Feld, mit seinen hell erleuchteten Fernstern wie ein Ufo anmutet, ein Maisfeld das zum tödlichen Labyrinth wird und dem undurchdringlichen Wald mit seinen finsteren Mysterien.

Dabei nisten durchaus aktuelle Bezüge in dieser düsteren Krimigeschichte, über das Heimatgefühl in Europa und die Integration von Fremden, die womöglich dann doch eher eine Vereinnahmung ist, wenn nicht gar Versklavung.

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Beeindruckend

Ähnlich wie als Geliebte des obsessiv pedantischen Modeschöpfers in "Der seidene Faden", spielt Vicky Krieps auch hier eine entwaffnend natürliche Frische und Offenheit gegen selbstbewusst entschlossenen Eigensinn aus. Frederick Lau spielt den mysteriösen Fremden mit animalischen Instinkten, die sukzessive domestiziert werden. In der Beziehung zwischen den beiden spiegeln sich die verschiedenen Kräfte, die im Film gegeneinander wirken.

"Gutland" ist ein beeindruckendes, deutschsprachiges Genrestück. Ein Erstlingsfilm, der neugierig macht auf den nächsten Film des Belgiers.

Anke Sterneborg, kulturradio

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