"Maria by Callas"; © Fonds de Dotation Maria Callas
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Dokumentation - "Maria by Callas"

Bewertung:

Sie wurde zum Inbegriff der Opern-Diva: die griechisch-amerikanische Sopranistin Maria Callas. In seinem Film "Maria by Callas" zeigt Tom Volf eine verletzliche Frau, deren Leben und Kunst auf tragische Weise verknüpft war.

Die Callas, das ist mehr als eine Stimme, das ist eine Ikone, eine Frau, der die Welt zu Füßen lag, die vielleicht bedeutendste Sopranistin des 20. Jahrhunderts. Viel wurde über die gebürtige Griechin geschrieben, hunderte von CDs und Schallplatten mit Mitschnitten ihrer Auftritte gibt es, man kann sie auf You Tube bewundern – und jetzt ganz anders in der Dokumentation "Maria by Callas" des französischen Fotografen Tom Volf.

Maria Callas erklärt selbst

Tom Volf musste 28 Jahre alt werden, um das erste Mal von ihr zu hören. Das war vor fünf Jahren. Seiner Begeisterung verdankt sich dieser Film, dem das Große gelingt, Maria Callas durch Maria Callas zu begreifen. Es gibt niemanden, der uns ihren Werdegang vom pummligen griechischen Einwanderermädchen zur bildschönen Sopranisten beschreibt. Nein, all das erklärt Maria Callas hier selbst: in Interviews, in Briefen, durch ihre Musik in zum Teil noch nie veröffentlichten Zeitdokumenten wie Fotos, Film- und Tondokumenten, Super 8-Aufnahmen, zum Teil restauriert und nachcoloriert.

Die Klammer des Films bildet ein Gespräch mit dem britischen Journalisten David Frost aus dem Jahr 1970. Dazwischen sehen wir sie in unterschiedlichsten Situationen: bedrängt von Paparazzi, wie sie die Kämpfe um mehr Distanz und Respekt alleine ausficht. Da ist keiner, der sie beschützt. Wie sehen sie bei Interviews mit Journalisten, eher beiläufig aufgezeichnet mit wackelnder Kamera: so nach ihrem Rausschmiss durch Rudolf Bing aus der MET – eine ungeschützte Callas in einer Horde von Männern und Mikrophonen, die ohne Zögern sagt, was sie darüber denkt, dass sie diese Kündigung als Rache sieht. Von der Zurückhaltung einer Diva ist da nichts zu sehen. Es gibt Aufnahmen aus der Oper, hinter den Kulissen. Private Mitschnitte von der Bühne.

Oder auch ganz private Aufnahmen mit ihren Pudeln, in ihrem Haus oder in ihrer Pariser Wohnung. Und es gibt die Briefe, die sie geschrieben hat: an ihre Gesangslehrerin Elvira de Hidalgo oder Grace Kelly. Im Original gelesen von Fanny Ardant, in der deutschen Fassung von Eva Mattes.

"Maria by Callas"; © Fonds de Dotation Maria Callas
Bild: Fonds de Dotation Maria Callas

Zwei Seelen

Sie selbst sagte einmal, sie habe zwei Seelen: Maria und Callas. Und diese beiden müssten sich halt vertragen. Das war ihr Spagat, ihre Zerrissenheit, und das impliziert ganz Entscheidendes wie den Verzicht auf Familie. Immer wieder kommt sie darauf zurück, dass ihr Leben als Sängerin es ihr nicht erlaubt habe eine Familie zu gründen, Kinder zu haben. Man könnte weitergehend sagen: glücklich zu sein. Weder ihre Mutter, die sie zwang, mit 13 die Schule zu verlassen und das Konservatorium zu besuchen, hatte ein Interesse daran, noch ihr erster Mann. Erst bei Onassis habe sie sich feminin und begehrt gefühlt. Wir alle wissen, wie sehr er sie betrogen hat. Wie dicht Erfolg und Tragödie bei Maria Callas doch beieinander lagen ... eine stolze schöne Frau, ausdrucksstark, empfindsam, selbstbewusst und schüchtern, nachdenklich, eine gebrochene Frau.

Wir hören und sehen Aufnahmen aus den 50er und 60er Jahren: Bellini, Puccini, Verdi. Belcanto wie es schöner nicht geht. Wir können gucken und staunen, eintauchen in eine ferne Zeit, und haben tatsächlich das Gefühl, diese Frau, die da so herzzerreißend singt, ein bisschen zu kennen.

Anke Sterneborg, kulturradio

im programm

Musikserie | So 07.01. - 01.07.2018 15:04 - 17:00 Uhr - Maria Callas

Noch immer gibt es für viele Melomanen nur zwei Kategorien von Sopranen: zum ersten Maria Callas, zum zweiten all die anderen.

In 26 Folgen verfolgt Jürgen Kesting die Laufbahn von Maria Callas von den Anfängen bis zum fatalen Ruhm, analysiert ihre Stimme und porträtiert die Rollen.