"Nach einer wahren Geschichte"; © Carole Bethuel / Studiocanal GmbH
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Thriller - "Nach einer wahren Geschichte"

Bewertung:

In Roman Polanskis neuestem Werk geht es, basierend auf einem Roman von Delphine de Vigan, um eine Schriftstellerin in der Krise.

Immer wieder hat Roman Polanski in seinen Filmen klaustrophobische Situationen beschworen, von den engen Wohnungen der frühen Filme "Ekel" und "Der Mieter" über die abweisende Burgfestung an der englischen Küste in "Wenn Katelbach kommt", die unangenehme Hausgemeinschaft in "Rosemaries Baby" bis hin zum Ghetto in "Der Pianist".

Diese beklemmende, bedrohliche Stimmung schwingt auch im Film "Nach einer wahren Geschichte" von Polanski mit. Das fängt zunächst fast unmerklich an: Die umschwärmte Schriftsstellerin Danielle Dayrieux (Emmanuelle Seigner) fühlt sich spürbar unwohl bei der Signierstunde zu ihrem gerade veröffentlichten Buch. Man spürt wie unangenehm ihr diese Situation ist, die zudringlichen Fans die sie von oben herab an ihrem Tisch bestürmen und bedrängen.

"Nach einer wahren Geschichte"; © Carole Bethuel / Studiocanal GmbH
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Eine junge, mysteriöse Frau erregt ihre Aufmerksamkeit, abends beim Empfang taucht sie wieder auf. Die beiden kommen ins Gespräch, verabreden sich zum Wein in einer Bar. Während sich auf der einen Seite der Druck auf die Schriftstellerin verschärft, mit bösen, anonymen Drohbriefen, aber auch mit ihrer eigenen Schreibblockade, wird die fremde Frau zur Helferin in allen Lebenslagen. Dabei bleibt lange Zeit unklar, wie altruistisch sie dabei handelt, was sie womöglich beabsichtigt.

Vieldeutig böses Spiel

Der Titel "Nach einer wahren Geschichte" wird dabei zum vieldeutig bösen Spiel. "Based on a true story" ist der Hinweis in den Credits eines Films, der der Erzählung ein besonderes Gewicht verleiht. Doch hier ist es eher ein doppelbödiger Hinweis darauf, dass man der Wahrnehmung nicht bedingungslos vertrauen kann, dass sie womöglich getrübt ist, durch die labile Verfassung der Schriftsstellerin.

Zugleich geht es aber auch um das fragile Verhältnis von Realität und Fiktion in der Literatur und dann wiederum auch im Film, denn in der Tat hat Danielle in ihrem letzten Roman ihr schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter verarbeitet, dafür viele Fans gewonnen, aber auch viel Ärger einstecken müssen, bis hin zu den Drohbriefen, die ihr zusetzen. Was hier Fantasie oder Realität ist, hält der Film sehr mysteriös und geheimnisvoll und beklemmend in der Schwebe.

"Nach einer wahren Geschichte"; © Carole Bethuel / Studiocanal GmbH
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Vieldeutig und brüchig

Emmanuelle Seigner ist nicht nur die Frau von Roman Polanski, sondern auch seine Muse. In vielen seiner Filme hat sie mysteriöse Frauen gespielt, zuletzt eine Schauspielerin in der Sacher-Masoch-Verfilmung "Venus im Pelz". Nachdem sie bisher jedoch alle Schattierungen der männermordenden Femme Fatale durchgespielt hat, gibt sie hier erstmals unter der Regie von Roman Polanski den schwächeren, labileren Part, zugleich vieldeutig und brüchig. Im Vergleich dazu hat Eva Green als ihre eher eindimensional berechnende Gegenspielerin sehr viel weniger Spielraum.

Sicher ist "Nach einer wahren Geschichte" keines der ganz großen Meisterwerke von Polanski. Dennoch ist es ein raffinierter Psychothriller, mit menschlichen Abgründen und vielen Geheimnissen, die noch lange nachwirken.

Anke Sterneborg, kulturradio

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