"Tully"; © Focus Features
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Komödie - "Tully"

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In "Tully" spielt Charlize Theron eine Frau, die mit Anfang 40 gerade zum dritten Mal Mutter geworden ist. Das Baby ist da, aber das Glücksgefühl will sich nicht einstellen. Der Alltag bringt sie an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Doch dann kommt "Tully", die Night Nanny ins Haus.

Tabakindustrielobbyisten in "Thank you for Smoking", ein schwangerer Teenager in "Juno", ein Handlungsreisender in Sachen Massenkündigung in "Up in the Air": Jason Reitman, Sohn des kanadischen "Ghostbusters"-Regisseurs Ivan Reitman hat ein Faible für Helden, die auf den ersten Blick eher unsympathisch sind, sich dann aber doch auf subversive Weise in die Herzen der Zuschauer schleichen.

Die Heldin seines neuesten Films "Tully" ist eine völlig überforderte und hochschwangere Mutter von zwei kleinen und durchaus anstrengenden Kindern, die am Anfang des Films inmitten des häuslichen Chaos zwischen Spielzeugen, Essensresten, Wäschestücken ohnmächtig erschöpft auf dem Sofa liegt. Hier geht es mal nicht um perfekte Hollywood-Märchen-Mütter, die superschlank, superschön, mit adrett herausgeputzten Kinderchen in makellosen Wohnungen lässig Arbeit und Familie, Mann und Kinder managen, mütterlich zu den Kindern, professionell zum Boss und abends sexy für den Mann.

"Tully"; © Focus Features
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Sarkastisch schlagfertige Dialoge

"Tully" ist schon die dritte Zusammenarbeit von Jason Reitman als Regisseur und der Drehbuchautorin Diablo Cody, (die für ihr Drehbuch des ersten gemeinsamen Films "Juno" mit dem Oscar ausgezeichnet wurde). Mit großem Mut zum ungeschönten Realismus, der sich ganz hautnah aus eigenen Elternerfahrungen speist, schöpfen die beiden ganz direkt aus der greifbaren Realität, verleihen dem wahren Leben aber mit schlagfertig bissigen Dialogen einen echten Unterhaltungskick. Cody hat ihre Erschöpfung nach dem dritten Kind mit einem Drehbuch wegtherapiert, in dem sie aus messerscharfen Selbstanalysen die für sie typischen, sarkastisch schlagfertigen Dialoge destilliert hat.

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Voller Körpereinsatz

Dritte im Bunde ist die Schauspielerin Charlize Theron, die gerade noch in "Atomic Blonde" als sehr gestylte, superschlanke und bösartig raffinierte Doppel-Agentin zu sehen war. Hier lässt sie ihr glamouröses Star-Image glaubhaft hinter sich, um sich mit vollem Körpereinsatz – sie hat für die Rolle fast 25 Kilo zugelegt – in die Niederungen des Mutter- und Ehealltags zu stürzen. Nach "Young Adult"  über eine alkoholgeschwängerte Midlife Crisis arbeitet Theron hier zum zweiten Mal mit dem Duo Reitman Cody.

Bleibt noch die Titelheldin "Tully" (Mackenzie Davies), die Marlo als sogenannte Night Nanny zur Seite steht, in einer magischen Mischung aus Haushaltshilfe, Kindermädchen, Lebenstherapeutin und bester Freundin. Allem anpackenden Pragmatismus zum Trotz erinnert sie ein wenig an die hilfreichen Engel in den Screwball Komödien der Vierziger Jahre.

Anke Sterneborg, kulturradio

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