Meine Tochter – Figlia Mia © Realfiction
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Drama - "Meine Tochter – Figlia Mia"

Bewertung:

Die italienische Regisseurin Laura Bispuri hat bisher zwei lange Spielfilme gedreht und ist mit beiden gleich auf die Berlinale 2015 und 2018 eingeladen worden. Ihr aktueller Film ist ein Drama um zwei Mütter und deren Tochter, angesiedelt in Sardinien.

Auf der Berlinale dies Jahr lief der zweite Film der italienischen Regisseurin Laura Bispuri. Wieder mit der Deutsch-Italienerin Alba Rohrwacher in der Hauptrolle. Und wieder, wie schon in ihrem gefeierten Debüt "Sworn Virgin" aus dem Jahr 2015, geht es um die Selbstfindung einer Frau, nein, von drei Frauen muss man hier wohl sagen. "Meine Tochter – Figlia Mia", der Titel ihres neuen Filmes, wirft gleich die große Frage auf, ist der Konflikt und Streitpunkt: Wessen Tochter ist "La Figlia", Vittoria, die demnächst 10 Jahre alt wird? Zunächst ist sie ein kleines Mädchen, wohlbehütet von ihrer liebenden Mutter und ihrem schweigsamen Vater, die in der ansässigen Fischfabrik arbeiten, nicht reich sind, aber zufrieden. Vittoria allerdings sieht anders aus als ihre Eltern, sie ist hell, rotblond – und sie ist anders als andere Kinder.

Zwei Frauen und ein Kind

Eine Außenseiterin, die ihre eigenen Wege geht. An einem heißen Tag an dem sie bei einem Rodeo alleine herumstromert beobachtet sie, wie eine Frau mit einem dicken Mann rummacht. Eine unappetitliche Szene, die Vittoria fasziniert, die sie nicht loslassen wird. Vielleicht auch weil diese Frau blond ist wie sie. Wie wir im Weiteren erfahren und auch da schon ahnen, ist diese Frau, Angelica, Vittorias richtige Mutter.

Zwei Frauen und ein Kind, zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine ist weich und fürsorglich, liebt das Kind abgöttisch und wird alles tun wird, um sie bei sich zu behalten. Die andere, die leibliche Mutter Angelica, ist wild und unkontrollierbar, als Dorfhure verschrienen, vordergründig gleichgültig gegenüber allem und jedem. Doch dann ist da auf einmal dieses Kind: ihre Tochter, um die sie sich neun Jahre lang nicht gekümmert hat, das ihre Nähe sucht und ihr eine Sehnsucht und auch ein Gefühl entlockt, das sie bisher nicht kannte: geliebt zu werden, zusammenzugehören.

Meine Tochter – Figlia Mia © Realfiction
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Man vergisst ihn nicht

Dieser Film gehört den Frauen. Männer bleiben im Hintergrund wie Udo Kier in einer kleinen Nebenrolle als Pferdehändler. Da ist die kleine sardische Schauspielerin Sara Casu, die dunkle Valeria Golino und Alba Rohrwacher, der Star des italienischen Autorenkinos. In ihrer fast körperlichen Widerspenstigkeit ist sie das Zentrum dieses Films, der mit fortschreitender Handlung unter einer fast erschlagenden Symbolkraft und Metaphorik leidet. Doch man verzeiht dem Film seine Schwächen. Denn er ist in sich stark. Man vergisst ihn nicht. Vor allem dank seiner Schauspielerinnen.

Christine Deggau, kulturradio