Love, Simon © 2018 Twentieth Century Fox
Bild: 2018 Twentieth Century Fox

Teenager-Komödie - "Love, Simon"

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Romantische Komödien über die Highschool-Liebeswirren von Teenagern gibt es jede Menge. Dass aber der Held oder die Heldin schwul oder lesbisch ist, ist in einer Hollywood-Produktion eher ungewöhnlich.

Romantische Komödien über die Liebeswirren von Teenagern in der Highschool gibt es jede Menge. Sehr viel seltener kommt es vor, dass der zentrale Held so eines Films schwul oder lesbisch ist. Wirklich neu ist, dass dieses Thema nun nicht nur im Independent-Kino, sondern auch im amerikanischen Mainstream angekommen ist, denn Greg Berlantis Verfilmung der erfolgreichen Jugendromanvorlage von Becky Abertalli wurde innerhalb eines Studios produziert.

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Beziehungskomödienkarussell

Dass "Love, Simon" eine romantische Teenager-Komödie mit einem schwulen Helden ist, wird gleich am Anfang ganz direkt und ohne Umschweife thematisiert. "Ich bin wie Du", verkündet Simon. "Aber ich habe ein riesiges Geheimnis". Er ist ein 17jähriger Schüler mit guten Freunden und liberalen Eltern und ringt wie alle Teenager mit der ersten Liebe, mit all den Missverständnissen, Fehlstarts und Umwegen, die auch sonst jede romantische Komödie 100 Minuten lang in Bewegung halten. Nur dass die Verwirrungen des Gefühls hier nicht ausschließlich um heterosexuelle Helden kreisen. Niemand weiß, dass Simon schwul ist und jeder geht ganz selbstverständlich davon aus, dass er sich für Mädchen interessieren muss.

© 2018 Twentieth Century Fox
Bild: 2018 Twentieth Century Fox

Zu drehen beginnt sich das Beziehungskomödienkarussell mit einem anonymen Bekenntnis im Schul-Blog. Unter dem Decknamen Blue offenbart ein anderer Junge dieselben unterdrückten, heimlichen Gefühle, die auch Simon bedrücken. Mitten ins Herz treffen seine Sätze und zwischen den beiden Jungs entspinnt sich ein intimer E-Mail-Dialog. Während Simon nach Hinweisen auf  die Identität seines Undercover-Seelenverwandten sucht, laufen um ihn herum die traditionellen Flirt- und Balz-Spielchen. Als ein Schulnerd damit droht, Simons Geheimnis zu lüften, spitzt sich die Lage weiter zu.

Europäische Regisseure wie die Österreicherin Monja Art ("Siebzehn") oder der  Franzose André Techiné  ("Mit Siebzehn") haben solche Coming Out-Geschichten in den letzten Jahren  ganz flirrend und selbstverständlich erzählt. Was Greg Barlanti mit den Europäern verbindet ist, dass auch er aus dieser Geschichte kein Drama macht und stattdessen einfach nur eine intime Selbsterfahrungsgeschichte erzählt, allerdings im massentauglichen Gewand einer keuschen, romantischen Teenager-Highschool-Komödie. Man spürt in Amerika wird das Thema noch nicht ganz so selbstverständlich und sehr viel zurückhaltender verhandelt. 

© 2018 Twentieth Century Fox
Bild: 2018 Twentieth Century Fox

Für amerikanische Verhältnisse ein Meilenstein

Die Darsteller der Teenager wirken ausgesprochen sympathisch und relativ natürlich, könnten aber durchaus ein bisschen rauer, wilder und lebensechter rüberkommen. Was diesen Film dennoch auszeichnet, ist ein feines Gespür für die Zwänge in einer heterosexuell geprägten Gesellschaft, was Greg Berlanti mit einer Montage-Sequenz auf die Schippe nimmt, in der mehrere Teenager ihren Eltern ihre Heterosexualität  "gestehen".  Zumindest für amerikanische Verhältnisse ist dieser Film ein Meilenstein, spürbar arbeitet Hollywood daran, sich nicht mehr 100%ig weiß und heterosexuell zu präsentieren.

Anke Sterneborg, kulturradio

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