"Vom Ende einer Geschichte"; © Wildbunch Germany
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Drama - "Vom Ende einer Geschichte"

Bewertung:

Alles in allem keine wirklich grandiose, aber dennoch eine durchaus interessante Verfilmung von Julian Barnes' Roman, von der man sich ein gewagteres Spiel mit luftigen Anspielungen und minimalen Widersprüchen gewünscht hätte.

"Wie war es wirklich?" fragte der britische Schriftsteller Julian Barnes in seinem 2011 erschienenen Roman "The Sense of an Ending". Wie verhält sich die Erinnerung im Verhältnis zu den tatsächlichen Ereignissen? Wegen seines sehr subtilen Spiels mit greifbarer Realität und flüchtiger Erinnerung galt der schmale Roman lange Zeit als unverfilmbar. Nun hat es der indische Regisseur Ritesh Batra ("Lunchbox") doch gewagt, prominent besetzt mit Jim Broadbent, Charlotte Rampling und Emily Mortimer.

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Das Buch entfaltet die beiden verschiedenen Zeitebenen von Ereignissen in der Jugend und Erinnerung im Alter in zwei getrennten Teilen. Ritesh Batra hat sie dagegen in seinem Film eng miteinander verflochten.

Ein vererbtes Tagebuch

Es beginnt im Alter, Tony Webster (Jim Broadbent) lebt geschieden im Ruhestand, in einem kleinen Häuschen am Rand von London und betreibt einen kleinen Kameraladen, auf dessen Einkünfte er aber nicht angewiesen zu sein scheint. In diese kleine, enge Welt bricht überraschend die Vergangenheit herein, und zwar in Form eines mysteriösen Erbes. Die Mutter seiner Ex-Freundin Veronica aus der College-Zeit hat ihm das Tagebuch seines Freundes Adrian hinterlassen, der vor vielen Jahren Selbstmord begangen hat.

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Schuldgefühle & Selbstlügen

Diese Botschaft aus der Vergangenheit setzt einen Prozess der Erinnerung in Gang, bei dem zwischen Schuldgefühl und Selbstlügen immer mehr Zweifel aufkommen, was denn nun wirklich damals passiert ist. Während Tony in der Gegenwart versucht, Kontakt zu seiner Ex-Freundin von damals zu knüpfen, wird er immer wieder von Rückblenden-Erinnerungen übermannt, die seiner eigenen Version der Ereignisse widersprechen.

Eine schöne visuelle Idee ist, dass der alte Tony immer wieder durch die Welten seiner Jugend wandelt, ein bisschen so, als wären das begehbare Räume im Museum der Erinnerung, die man sich unabhängig von einer objektiven Wirklichkeit individuell einrichtet. Die verschiedenen Zeitebenen unterscheiden sich durch die Farbtemperatur, während die Jugend in nostalgisch warmes Licht getaucht ist, erscheint die Gegenwart in ernüchternd kühlem Licht.

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Aufbrechen von Gefühlspanzern

Jim Broadbent und Charlotte Rampling haben die relativ undankbare Aufgabe, eher unsympathische unzugängliche Menschen zu spielen. Sie verkörpert eine unversöhnliche alte Dame, die keinerlei Bereitschaft zeigt, Tony entgegenzukommen. Er intoniert einen alten, unfreundlichen Mann, der sich alle menschlichen Verpflichtungen weitgehend vom Leib hält. Dennoch gelingt es den beiden Schauspielern, in feinen Nuancen vom Aufbrechen ihrer Gefühlspanzer zu erzählen. Alles in allem also keine wirklich grandiose, aber dennoch eine durchaus interessante Verfilmung, von der man sich ein gewagteres Spiel mit luftigen Anspielungen und minimalen Widersprüchen gewünscht hätte.

Anke Sterneborg, kulturradio

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