Filmstill: Die verborgenen Farben der Dinge
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Drama - "Die verborgenen Farben der Dinge"

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Ab heute in den deutschen Kinos: der italienische Spielfilm "Die verborgenen Farben der Dinge" vom italienischen Regisseur Silvio Soldini.

"M - eine Stadt sucht einen Mörder", "Lichter der Großstadt", "Warte bis es dunkel ist" - berühmte Kinofilme, in denen blinde Menschen eine entscheidende Rolle spielen. All diese Filme zeigen: Wer nicht sehen kann, erobert sich die Welt in hohem Maße mit den Ohren.

Auch der italienische Spielfilm "Die verborgenen Farben der Dinge" vom italienischen Regisseur Silvio Soldini thematisiert gleich am Anfang des Films das Fehlen der Sicht, denn zu sehen ist erst mal gar nichts, nur eine undurchdringlich schwarze Leinwand. Zu hören sind Stimmen von Menschen in einem dunklen Raum, langsam stellt sich heraus, da ist eine Gruppe von Menschen in einem verdunkelten Raum der Lebenserfahrung von Blinden ausgesetzt. Der Grafikdesigner Teo ist hier mit seinem Werbeagentur-Team, um die vertraute Welt auf unerwartete, frische Weise zu sehen. Begleitet wird die Gruppe von der blinden Emma, deren Stimme Teo sehr sexy findet. Als er ihr dann einige Tage später zufällig wieder begegnet, entspinnt sich ein heißer Flirt. Emma erschüttert die Welt und die Wahrnehmung des ausgesprochen beziehungsscheuen Teo, der gerade widerwillig mit seiner Freundin zusammenzieht und parallel eine Affäre mit einer verheirateten Frau unterhält.

Filmstill: Die verborgenen Farben der Dinge
Die verborgenen Farben der Dinge | Bild: Film Kino Text

Blindheit nicht als Gimmick

In Italien gehört Silvio Soldini zu den Regie-Stars, deren Namen dem großen Publikum geläufig sind. Hierzulande ist er vor allem mit dem Film "Brot und Tulpen", (2000) berühmt geworden. So wie dort geht es auch hier darum, wie der Blick auf die Welt durch die Liebe verzaubert wird, wie man die Welt mit den "Augen", in der Wahrnehmung eines geliebten Menschen wieder ganz neu, romantisch und magisch sieht. Vor einigen Jahren hat er mit Blinden den Dokumentarfilm "Per altri Occhi" gedreht, der zur Initialzündung für "Die verborgenen Farben der Dinge" wurde, weil ihm da bewusst wurde, dass das Mitleid, mit dem die Sehenden den Blinden begegnen, gar nicht deren eigener Wahrnehmung entspricht, dass sie im Gegenteil lebendig, selbst-bewusst, entschlossen, neugierig und mutig waren. Daraus entstand der Wunsch, einen Spielfilm zu drehen, in dem die Blindheit kein Gimmick, sondern normaler Alltag ist.

Ein sehr sinnlicher Film

So überträgt Silvio Soldini, ohnehin ein sehr sinnlicher Regisseur, die Gefühle seiner Helden seismografisch auf seinen Stil, über flirrende Bewegungen der Kamera, über die Farben und das feine Spiel der Darsteller. Er übernimmt die auf die unmittelbare Umgebung beschränkte Wahrnehmung der Blinden mit einem fast quadratischen Bildformat. Wenn man mit Teo und Emma auf dem Moped durch die Stadt braust, nimmt man deren Vibrationen ganz unmittelbar auf. En passant wird der Film dabei zu einer ausgesprochen sinnlichen Schule der Wahrnehmung mit allen Sinnen.

Anke Sterneborg, kulturradio

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