"Endless Poetry"; © Pascale Montandon-Jodorowsky
Bild: Pascale Montandon-Jodorowsky

Drama - "Endless Poetry"

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Mit weit über 80 hat Alejandro Jodorowsky eine autobiografische Film-Serie begonnen. Und da der Chilene ein außerordentliches Multi-Talent ist, u.a. noch Dichter, Comic-Zeichner, Schauspieler, Psycho-Guru und Surrealist, hat er viel zu erzählen. Ab morgen ist der zweite Filmteil bei uns in den Kinos zu sehen: "Endless Poetry". - Mehr dazu von Anke Sterneborg.

Der Chilene Alejandro Jodorowsky ist ein umtriebiges Multi-Talent: Schriftsteller, Dichter, Dramatiker, Komponist, Comiczeichner, Psycho-Guru, Produzent, Regisseur und Schauspieler für Bühne und Leinwand. In einem Alter, in dem sich die meisten Menschen längst im Altenteil eingerichtet habe - im kommenden Februar wird er 90 -  hat er mit einer autobiografischen Film-Serie begonnen, die am Ende aus fünf Filmen bestehen soll.

Auf "La Danza de la Realidad" ("Der Tanz der Realität") von 2013 folgt jetzt "Endless Poetry". Nach Jodorowskys Kindheit und Jugend geht es jetzt um die prägende Zeit als Teenager und junger Mann, und wie schon in "La Danza de La Realidad" auch wieder um die Behauptung gegen den strengen Vater, der von den schriftstellerischen Ambitionen seines Sohnes gar nichts hält und ihn in ein Medizinstudium drängen will.

Dabei zieht es Alejandro immer tiefer in die Künstlerbohème von Santiago de Chile, zu einem bunten Völkchen von Malern, Dichtern, Musikern, Performance Künstlern im Umfeld des Café Iris. Am Ende des Films bricht Jodorowsky dann auf, verlässt das zunehmend restriktive politische Klima seiner Heimat, um in Paris, wie er sagt, André Breton zu treffen und den Surrealismus zu retten.

"Endless Poetry"; © Pascale Montandon-Jodorowsky
2018 NFP marketing & distributionBild: Pascale Montandon-Jodorowsky

Opulenter Bilderrausch

Der Film ist ein opulenter Bilderrausch, der sich aus vielen Kunstrichtungen speist, dabei in besonderem Maße von Fellini inspiriert ist, mit vielen seiner Lieblingsmotive, wie Jahrmarkt und Zirkus, mit Gauklern, Clowns und üppigen Frauen, mit Polizisten auf Stelzen, Zwergen und Riesen.

Das Ganze spielt in den 30er und 40er Jahren in Santiago de Chile, das für einen Kostümfilm knappe Budget, das Jodorowksy über ein Crowdfunding-Portal gesammelt hat, kompensiert er mit überbordender Fantasie und sprühendem Einfallsreichtum.

"Endless Poetry"; © Pascale Montandon-Jodorowsky
2018 NFP marketing & distribution | Bild: Pascale Montandon-Jodorowsky

Spiel mit dem Provisorium

Wenn er etwa am Anfang des Films aus der Gegenwart in die Vergangenheit wechselt, dann "verkleidet" er die Häuser, zieht kurzerhand aus einem Bodenschlitz schwarzweiße Pappkulissen nach oben. Er spielt mit dem Provisorium, wendet das Prinzip von Maske und Kostüm auf die Ausstattung an und zelebriert Künstlichkeit auf der ganzen Linie, das heißt auch, dass die Darsteller ihre Texte in Form von Gedichtzeilen und Opernarien artikulieren. Für Naturalismus und Wahrhaftigkeit interessiert sich Jodorowsky überhaupt nicht, stattdessen zelebriert er strotzend vor Ideen und bisweilen an die Grenzen der Übertreibung ein zwischen Traum und Alptraum oszillierendes Kuriositäten-Kabinett.

Trotzdem bleibt, mehr als in seinen früheren Filmen Raum für intime Coming of Age-Gefühle, insbesondere bei einer großen letzten Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn am Ende.

"Endless Poetry"; © Pascale Montandon-Jodorowsky
| Bild: Pascale Montandon-Jodorowsky

Vater und Sohn Jodorowsky werden von seinen beiden Söhnen gespielt, und auch Jodoroswsky selber spielt mit: Wie schon in "Danza de la Realidad"  steht er seinem jüngeren Ich als weiser alter Guru mit Ratschlägen zur Seite: Lebe! Lebe! Lebe!

Anke Sterneborg, kulturradio

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