Nico, 1988 © Emanuela Scarpa / Film Kino Text
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Biografie - "Nico, 1988"

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Zwischen missverstandener Künstlerin, liebender Mutter und bemitleidenswertem Drogenopfer, in geradezu beiläufig fotografierten Bildern erzählt Susanna Nicchiarelli von einer Frau, die auf der Flucht vor sich selbst ist.

Sie war Sängerin, Frontfrau der Band Velvet Underground, Schauspielerin und Model. Sie galt als Muse von Andy Warhol und verdrehte Zeitgenossen wie Leonard Cohen, Lou Reed und Alain Delon mit ihrer Schönheit und ihrer dunklen Stimme den Kopf: Christa Päffgen – besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Nico - war eine legendäre Figur der 60er Jahre.

Noch heute pilgern viele Menschen zu ihrem Grab im Berliner Bezirk Grunewald. Pünktlich zum 30. Todestag der Sängerin bringt die italienische Regisseurin Susanna Nichiarelli einen Film in die Kinos, der eine andere, weniger glamouröse Geschichte zeigt.

Nico, 1988 © Emanuela Scarpa / Film Kino Text
Bild: Emanuela Scarpa / Film Kino Text

Drogen und Dämonen

"Nico, 1988" erzählt das Leben der Sängerin von seinem Ende her. Mitte der 80er Jahre hat Nico (Trine Dyrholm) den Zenit ihrer Karriere längst überschritten. Schwer von Alkohol – und Drogenmissbrauch gezeichnet, tingelt sie mit ihrer Band durch die Gegend. Auch wenn sie noch immer neue Songs schreibt und sich künstlerisch weiterentwickeln will, sind die Medien und ihre Fans nur an ihrer glamourösen Vergangenheit interessiert.

Lediglich ihr treuer Roadmanager Richard (John Gordon Sinclair) und ihr Sohn Ari (Sandor Funtek) sind ihr als Unterstützung geblieben. Doch der eine ist zu schwach, um sie zu stützen – und der andere hat selbst mit seiner Drogensucht und seinen Dämonen zu kämpfen.

Nico, 1988 © Film Kino Text
Bild: Film Kino Text

Überragend: Trine Dyrholm

"Nico, 1988" ist eine emotionale Achterbahnfahrt in den Abgrund eines Künstlerlebens, das genaue Gegenteil der fröhlich- bunten Filmbiografien, wie sie in den letzten Jahren zuhauf im Kino zu sehen waren. Mit genau beobachteten, geradezu beiläufig fotografierten Bildern (Kamera: Crystel Fournier) erzählt der Film von einer Frau, die auf der Flucht ist vor sich selbst, vor den Medien und der Last ihrer eigenen Biografie.

Dabei zeigt Trine Dyrholm (Silberner Bär 2016 für "Die Kommune") einmal mehr, warum sie zu den überragenden Charakterdarstellerinnen des europäischen Kinos gehört. Zwischen missverstandener Künstlerin, liebender Mutter und bemitleidenswertem Drogenopfer chargiert ihre Figur, ohne dass sie auch nur einmal unglaubwürdig wird. Dabei singt Trine Dyrholm alle Titel in diesem Film selbst und gibt auch dabei eine gute Figur ab. Eigentlich schade, dass Nico selbst diesen Film nicht mehr sehen kann.

Carsten Beyer, kulturradio

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