Love, Cecil | Ryuichi Sakamoto: Coda © Edition Salzgeber | Studiocanal GmbH / Courtesy of the Cecil Beaton Studio Archive at Sotheby's
Bild: Edition Salzgeber | StudiocanalGmbH / Courtesy of the Cecil Beaton Studio Archive at Sotheby's

Dokumentation - "Love, Cecil" | "Ryuichi Sakamoto: Coda "

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Gleich zwei Dokumentationen über herausragende, künstlerische Persönlichkeiten, die beide auch fürs Kino gearbeitet haben, laufen diese Woche bei uns an.

"Love, Cecil"

Fast 40 Jahre nach dem Tod des berühmten, britischen Fotografen Cecil Beaton taucht die modeaffine Regisseurin Lisa Immodena Vreeland in seine  schillernde Lebenswelt ein. Als Ästhet mit einem ausgeprägten Faible für alle schönen Dinge begnügte sich der kapriziöse Fotograf nicht mit einer einzigen Kunstform. Berühmt wurde er durch seine Mode- und Starfotos für die Vogue und Harper’s Bazaar, für die er berühmte Stars wie Audrey Hepburn, Marilyn Monroe und Greta Garbo, Mick Jagger, Nurejew, Andy Warhol und Picasso inszenierte.

Love, Cecil © Studiocanal GmbH / Courtesy of a Private Collection
Bild: Studiocanal GmbH / Courtesy of a Private Collection

Kurzweilig, vielseitig und sprühend

Jahrzehntelang war er Fotograf des britischen Königshauses und im 2.Weltkrieg viele Jahre lang Kriegsreporter. Er arbeitete als Schriftsteller und  Maler, aber auch als Kostümbildner und Setdesigner für extravagant überbordende Kino-Musicals wie "Gigi" und "My Fair Lady", wofür er mit drei Oscars ausgezeichnet wurde. So kurzweilig, vielseitig und sprühend wie die Karriere dieses Mannes ist nun auch der Film über ihn, der Arbeitsproben mit Archivaufnahmen und Erinnerungen noch lebender Wegbegleiter und Modelle so lebendig vernetzt, dass man wirklich das Gefühl hat, ganz unmittelbar in dieses Werk und dieses Leben einzutauchen.

In gewisser Weise ähnelt der Film da auch den zahllosen Scrapbooks, den Bild-Tagebüchern, die Cecil Beaton parallel zu seinem Leben mit allen möglichen Fundstücken beklebt hat.

"Ryuichi Sakamoto: Coda"

Auch Ryuichi Sakamoto hat eine vielseitige Karriere, er ist Gründer der erfolgreichen Elektro-Pop Band Yellow Magic Orchestra, Komponist preisgekrönter Filmmusiken unter anderem für Bernard Bertoluccis "Der letzte Kaiser", Nagisa Oshimas Merry Christmas", "Mr. Lawrence", in dem er neben David Bowie auch die Hauptrolle  übernahm, und zuletzt in "The Revenant" von Alejandro Gonzales Innaritu spielte.

Über fünf Jahre hinweg hat Stephen Nomura Schible den Musiker immer wieder mit der Kamera begleitet ihm quasi über die Schulter geschaut und verzichtet ganz konsequent auf konventionelle Zeitzeugen-Berichte und Interviews.

Stattdessen verzahnt er die Lebensgeschichte und die musikalische Entwicklung von Sakamoto mit einer Art Werkstattbericht: Man sieht den Meister zu Hause bei der Arbeit, bekommt Einblicke in die Kompositionsprozesse, in die er alle Geräusche aus seiner Umwelt mit einbezieht.

Ryuichi Sakamoto: Coda © Edition Salzgeber

Intime Nähe

Man ist dabei, wenn er dick angezogen in einer alaskischen Schneelandschaft an einem Wasserloch im wahrsten Sinne des Wortes "Töne angelt", wenn sich dieser distinguierte Mann auch mal einen Plastikemer über den Kopf stülpt, um die Regentropen darauf prasseln zu hören, und wenn er auf einem völlig verstimmten Klavier spielt, das vom Fukushima Tsunami  ins Meer gerissen wurde: "Es kam mir vor als würde ich auf dem Kadaver eines ertrunkenen Klaviers spielen". Die geduldige Annäherung schafft ein Vertrauensverhältnis, so spricht Sakamoto im Zusammenhang mit einer inzwischen überwundenen Krebskrankheit offen über seine Auseinandersetzung  mit Vergänglichkeit und Tod.

Als Ergänzung zur intimen Nähe der direkten Begegnung wird Sakamotos künstlerische Entwicklung mit Archivaufnahmen von Konzertauftritten und Kinoengagements rekapituliert.

Anke Sterneborg, kulturradio

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