BlacKKKlansman © 2018 FOCUS FEATURES LLC.
Bild: 2018 FOCUS FEATURES LLC.

Undercover-Agenten-Polit-Drama - "BlackKklansman"

Bewertung:

Spike Lees neuer Film ist voller Widersprüche, sehr bissig und scharfzüngig, schillernd bunt und böse, sehr vergnüglich, aber immer wieder auch sehr bestürzend

Egal ob der schwarzamerikanische Regisseur Spike Lee eine Liebeskomödie wie "Do the right Thing" dreht, die Geschichte des schwarzen Bürgerrechtlers "Malcolm X" erzählt, oder in "Chi-raq" Aristophanes Theaterstück Lysistrata ins Gangleben des modernen Chicago verlegt, immer geht es dabei seit mehr als 30 Jahren auch um den Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung.

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KuKluxKlan zu infiltriert

Das gilt nun auch für seinen neuesten Film "BlackKklansman", der die wahre Geschichte von Ron Stallworth erzählt, dem ersten schwarzen Cop in einem Polizeidepartment in Colorado Springs. Zunächst wurde er vor allem bei Undercover-Einsätzen auf Veranstaltungen der Black-Power-Bewegung eingesetzt, wo er bald die Idee entwickelte, den KuKluxKlan zu infiltrieren. Er meldete sich auf eine Zeitungsannonce, beantragte die Aufnahme in den Klan, führte mit verstellter Stimme mehrere Telefonate, bei denen er auch das Vertrauen des führenden Klan-Aktivisten David Duke (Topher Grace) gewinnen konnte. Problematisch wird es, als die Klan-Kontakte darauf bestehen, ihn persönlich kennenzulernen, woraufhin er kurzerhand seinen weißen Kollegen Flip (Adam Driver) zur Mitarbeit bewegt. Gemeinsam erschaffen sie einen glühenden Rassisten, der die Aktionen des Klans ausspionieren kann.

Realistisch und erschütternd

In schwindelerregendem Wechsel ist "BlackKklansman" ein hochspannendes Undercover-Agenten- und Polit-Drama und zugleich eine irrwitzige Komödie der Identitäten. Mal wirkt der Film fast luftig, amüsant und durchaus hoffnungsvoll, dann wieder ganz hart, realistisch und erschütternd. Mit großer Lust wirft sich der Film in die bunte, wilde Flower-Power-Hippie-Zeit hineinmit wilden Afro-Frisuren, schrillen Stoffmustern und fröhlichen Beats. Gleichzeitig schlägt er aber auch einen großen Bogen, vom Rassismus der Frühzeit des Kinos, mit Ausschnitten aus Filmen wie "Birth of a Nation", bis hin zur Gegenwart unter Trump, mit den Ausschreitungen von Charlottsville.

Rasante Stilwechsel

Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus sind hier kein historisches Kapitel, sondern unmittelbare, brandaktuelle Gegenwart. Während Spike Lee seinen filmischen Aktivismus sonst oft mit der Holzhammermethode durchsetzt, arbeitet er hier in rasanten Stilwechseln und zum Teil auch unterschwelligen Mitteln, wenn etwa Alec Baldwin am Rande als KuKluxKlan Funktionär auftritt und man natürlich sofort seine berühmte Donald-Trump-Persiflage, aus Saturday Night Live vor Augen hat.

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Schillernd bunt und böse

Ron Stallworth wird von John David Washington gespielt, dem Sohn des berühmten Denzel Washington, der hier eine tolle Präsenz und vor allem auch komödiantisches Talent zeigt. Umrahmt wird er von einer ganzen Riege toller Schauspieler, in zum Teil auch kleinen Rollen, darunter der Komiker Topher Grace, Adam Driver mit seinem lakonisch beiläufigen Humor und der Sänger Harry Belafonte mit einem Auftritt als Bürgerkriegsveteran. "BlackKklansman" ist sehr vielschichtig gewebt, voller Widersprüche, sehr bissig und scharfzüngig, schillernd bunt und böse, sehr vergnüglich, aber immer wieder auch sehr bestürzend.

Anke Sterneborg, kulturradio

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