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Komödie - "Grüner wird's nicht"

Bewertung:

"Grüner wird's nicht" ist das, was man leider viel zu häufig im deutschen Kino serviert bekommt: Ein bisschen Herz, ein bisschen Schmerz, eine große Portion Kitsch und eine von A-Z erwartbare Handlung. Leicht konsumierbar, aber ziemlich schnell wieder vergessen.

Georg – genannt "Schorsch" (Elmar Wepper) lebt am Tegernsee, besitzt eine kleine Gärtnerei – und ist mit seinem Leben überhaupt nicht zufrieden: Die Firma steht kurz vor der Pleite, in der Ehe mit seiner Monika (Monika Baumgartner) läuft es auch alles andere als rund - und dann ist da noch Tochter Miriam (Karolina Horster), die lieber Kunst studieren möchte als den elterlichen Betrieb zu übernehmen.

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Elmar Wepper (l.) und Bernd Stegemann (r.); © Bernd Schuller/MajesticBild: Bernd Schuller/Majestic

Eine Odyssee im Flugzeug

Der einzige Ort, an dem sich Schorsch rundherum wohlfühlt, ist am Steuer seines Flugzeugs, einer klapprigen Propellermaschine aus den 20er Jahren, mit der er regelmäßig vom örtlichen Flugplatz aus seine Runden dreht. Als die gepfändet werden soll, trifft er eine radikale Entscheidung. Er schnappt sich die Zündschlüssel, haut einfach ab und startet über den verblüfften Gerichtsvollzieher hinweg ins Blaue.

Eigentlich will Schorsch ja zum Nordkap, aber das ist mit einem Kleinflugzeug ganz schön weit weg: Stattdessen beginnt für den fliegenden Gärtner eine Odyssee, die ihn unter anderem auf einen schwäbischen Bauernhof, in ein Schloss im Rheinland, auf die Insel Sylt und schließlich zu einem kleinen Flugplatz in den Oderbruch führt. Am Ende steht die Erkenntnis, dass man sein Leben auch mit 60 durchaus nochmal ändern kann, dass man dazu aber eine Menge Mut braucht, und man vor allem ehrlich zu sich selbst sein muss.

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Sunnyi Melles und Elmar Wepper; © Christian Schulz/Majestic

Ein Film wie Kalendersprüche

Florian Gallenbergers Verfilmung eines Jockel-Tschiersch-Romans hört sich nicht nur so an wie die Kalendersprüche aus einem Poesiealbum, sie sieht auch so aus: Fast zwei Stunden lang wird Hauptfigur Schorsch mit Charakteren konfrontiert, die alle so wirken, als seien sie am Reißbrett entworfen: ein kauziger Eremit, eine überkandidelte Adelsfamilie und ein lesbisches Ehepaar, dazu noch eine patente Flugplatzbetreiberin und ihr computernerdiger Gehilfe.

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Keinen dieser Menschen würde man jemals so im wahren Leben treffen: Trotzdem strotzen sie alle vor Lebensklugheit – und was noch erstaunlicher ist: Der gute Schorsch, der sich sein Leben lang von nichts und niemand hat Vorschriften machen lassen, hört ihnen geduldig zu und zieht aus ihren Geschichten sogar Rückschlüsse für sein eigenes Leben.

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Elmar Wepper (l.) und Ulrich Tukur (r.); © Christian Schulz/Majestic | Bild: Christian Schulz/Majestic

In der Kinobranche nennt man sowas "Feelgood"-Movie. Doch wenn man sich dabei tatsächlich gut fühlen möchte, sollte man lieber nicht allzu viel über die Stringenz und die Plausibilität der Geschichte nachdenken. Auch wenn sich Elmar Wepper redlich müht, an seinen Überraschungs-Erfolg aus Dorris Dörries "Hanami" anzuknüpfen, scheitert er letztlich an den Platitüden des Drehbuchs.

"Grüner wird's nicht" ist das, was man leider viel zu häufig im deutschen Kino serviert bekommt: Ein bisschen Herz, ein bisschen Schmerz, eine große Portion Kitsch und eine von A-Z erwartbare Handlung. Leicht konsumierbar, aber ziemlich schnell wieder vergessen.

Carsten Beyer, kulturradio

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