Welcome To Sodom - Dein Smartphone ist schon hier
Welcome To Sodom - Dein Smartphone ist schon hier | Bild: Camino Filmverleih

Film - "Welcome to Sodom"

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250.000 Tonnen Computer, Smartphones, Drucker und andere Geräte werden jedes Jahr aus aller Welt illegal nach Ghana gebracht. Was dort mit diesem Elektroschrott passiert, haben sich die österreichischen Regisseure Christian Krönes und Florian Weigensamer vor Ort angeschaut.

Dabei ist der Dokumentarfilm "Welcome to Sodom" entstanden, über einen der giftigsten Orte der Erde in einem Stadtviertel der ghanaischen Hauptstadt Accra. Soweit das Auge blicken kann, ist die ehemalige Sumpflandschaft mit Müll und Schrott bedeckt. Überall gibt es lodernde Brandherde, von denen schwarze oder graue Rauchschwaden aufsteigen. Diese industriell verwüstete Landschaft, in der nichts mehr wächst, könnte leicht Schauplatz eines futuristischen Science-Fiction-Films sein.

Doch diese dystopische Vision der Zukunft ist jetzt und hier Realität für Menschen, die in dreckigen Lumpen und zerschlissenen Schuhen im Müll der westlichen Welt nach verkäuflichen Metallen wie Kupfer, Aluminium, Stahl und Zink suchen. Und sich dabei den giftigen Dämpfen von verbranntem Plastik aussetzen.

Welcome to Sodom: alter Mann untersucht Elektroschrott; © Camino Filmverleih
| Bild: Camino Filmverleih

Das Thema Elektromüll ist durchaus präsent in den Nachrichtensendungen. Doch im Unterschied zu den flüchtigen Nachrichtenteams haben sich die beiden österreichischen Filmemacher sehr viel Zeit genommen – insgesamt drei Monate – um diesen Ort und diese Menschen wirklich zu verstehen, deren Alltag das Resultat des westlichen Kapitalismus ist.

Allem Elend zum Trotz finden die Regisseure immer wieder erlesene Bildkompositionen, in denen die Ärmsten der Armen einen Rest ihrer Würde behaupten können. Und auch im größten Elend finden die Filmemacher noch quirliges Leben: einen Jungen, der im improvisierten Tonstudio einen Rapsong aufnimmt. Junge Männer, die auf einem staubigen Platz zwischen den notdürftigen Baracken breakdancen.

Kommentarlos klinken sich Krönes und Weigensamer in den Alltag ein, in langen ruhigen Einstellungen und ohne die üblichen Frontalinterviews. Rund acht Menschen erzählen aus dem Off ihre Lebensgeschichten: die 44-jährige Witwe, die ihrem Sohn ein anderes Leben ermöglichen will. Der Medizinstudent, der in der Anonymität dieser Müllhalde der Verfolgung als Homosexueller entflieht. Ein junges Mädchen, das sich als Junge verkleidet, um den lukrativeren Metallschrott sammeln zu können. Und ein junger Mann, der davon träumt, über Libyen nach Italien zu kommen.

Damit bietet der Film auch Einblicke in die andere Seite der Flüchtlingskrise, in die unmenschlichen Lebensbedingungen, die Menschen über die lebensgefährliche Mittelmeerroute nach Europa treiben.

"Welcome to Sodom" – so nennen die Bewohner selbst diesen Höllenort – ist ein Dokument dieser Lebenssituation, ohne zu belehren, zu urteilen oder Lösungen anbieten zu können. Der Film ist ein eindringlicher Aufruf zu mehr Empathie, zu einer gerechteren Verteilung des Wohlstands, durch die Aufnahme von Flüchtlingen, aber auch durch die Bekämpfung der Fluchtursachen.

Anke Sterneborg, kulturradio

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