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Drama - "Glücklich wie Lazzaro"

Bewertung:

Toll gespielt. Alice Rohrwachers Film ist bestes italienisches Erzählkino mit übernatürlichen Elementen.  

Lazzaro (Adriano Tardiolo) ist ein junger Landarbeiter, der mit seiner Sippe im armen Südens Italiens lebt - in der Leibeigenschaft einer reichen Tabak-Pflanzerin, die einmal im Jahr aufs Land kommt, um die Erträge des Jahres einzusammeln: Doch nicht nur von der Grundbesitzerin, der strengen Marquesa de Luna (Nicoletta Braschi) und ihrem schmierigen Verwalter Ultimo (Sergi López) wird Lazzaro geknechtet, auch die Angehörigen seiner Sippe nutzen seine Gutmütigkeit und Friedfertigkeit aus. Ob es nachts die Hühner zu bewachen gilt oder die Großmutter ins Haus getragen werden muss, immer wird nach ihm gerufen.

Nur in Tancredi (Luca Chikovani), dem frühreifen Sohn der Marquesa, findet Lazzaro einen Freund: Dessen Plan, seine Mutter durch eine fingierte Entführung um ihr Vermögen zu erleichtern, schlägt jedoch fehl. Als die Polizei in das abgelegene Dorf kommt, werden die Landarbeiter mit einem Schlag in die Moderne transportiert: Denn die Leibeigenschaft ist eigentlich längst abgeschafft – nur sie haben davon noch nichts mitbekommen …

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Bestes italienisches Erzählkino

Mit der für sie typischen Mischung aus Realismus, Legenden und übernatürlichen Erscheinungen erzählt Alice Rohrwacher in "Glücklich wie Lazzaro" ein modernes Märchen: Der Titelheld, der von seiner Sippe ausgenutzt, verlacht und schließlich – nach der Auflösung der Plantage – alleine im Dorf zurückgelassen wird, stürzt von einer hohen Klippe, kommt aber lebend zurück, um fortan – genau wie sein biblischer Namensvetter - als Schutzheiliger der Armen durch die Geschichte zu geistern. Dank eines guten Drehbuchs (ausgezeichnet mit einer Silbernen Palme in Cannes) und der großartigen, sonnendurchfluteten Bilder von Kamerafrau Hélène Louvart wirkt Alice Rohrwachers Film nie überladen und geschwätzig. Selbst wenn verschiedene Zeit- und Realitätseben übereinander geblendet werden, bleibt die zentrale Aussage des Films immer erkennbar: Auch ein moderner Heiliger könnte die Welt nicht retten - ja, vermutlich würden ihn die Menschen noch nicht mal erkennen.

"Glücklich wie Lazzaro" ist bestes italienisches Erzählkino mit übernatürlichen Elementen. Toll gespielt vom Ensemble um den großartigen Hauptdarsteller Adriano Tardiolo (der hier zum ersten Mal überhaupt auf der Leinwand zu sehen ist) und Alba Rohrwacher, die ältere Schwester der Regisseurin, die die Rolle von Lazzaros Jugendfreundin Antonia spielt. Nach gut zwei Stunden kommt man aus dem Kino, gut unterhalten, irgendwie verzaubert und mit einem imaginären Sonnenbrand im Genick.

Carsten Beyer, kulturradio

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