Kida Khodr Ramadan in "4 Blocks"; © Turner Broadcasting/Wiedemann & Berg Television
Bild: Sky.de

TV-Serie | 2. Staffel - "4 Blocks"

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Vor einem Jahr war es eine kleine Revolution im deutschen Fernsehen: "4 Blocks" war eine Mafiaserie, die sich mal nicht an amerikanische Vorbilder anbiedern musste. Nun startet die 2. Staffel im Programm von TNT Serie.

Ganz authentisch, wild und gefährlich war die erste Staffel im Neuköllner Kiez verwurzelt, in den vier Blocks um die Sonnenallee, über die der libanesische Pate Ali Hamady (Kida Khodr Ramadan) regierte. Dafür hagelte es jede Menge Preise, unter anderem den Deutschen Fernsehpreis, die Goldene Kamera und den Grimme Preis. Ein Jahr nach der ersten Staffel legt der Bezahlsender TNT Serie jetzt eine zweite Staffel nach, mit sieben neuen Folgen des bewährten Autoren-Trios Richard Kropf, Hanno Hackfort und Bob Konrad, kurz HaRiBo. Die Regie übernahmen Oliver Hirschbiegel und Özgür Yildirim.

In der Serie ist ebenfalls ein Jahr vergangen, seit dem dramatischen, finalen Showdown, in dem Ali Hamady beinahe gestorben wäre. Am Anfang der ersten neuen Folge kehrt er zu seinen libanesischen Wurzeln zurück, betet an den Trümmern seines alten Lebens, um anschließend in Beirut neue Geschäftskontakte zu knüpfen. "Berlin gehört mir", sagt sein ausgebooteter Vorgänger und wird vom Boss zurechtgewiesen: "Alis Vater ist Kurde wie mein Vater", sagt er, "Er besitzt Weitsicht und schaut in die Zukunft und hat mir ein Geschäft vorgeschlagen. Berlin gehört dem, der mein Vertrauen genießt."

Auch das gehört zum authentischen Flair der Serie: alle reden miteinander in ihren Muttersprachen, die fürs deutsche Publikum untertitelt werden. Für Ali Hamadys Vorgänger hat das neue Arrangement tödliche Konsequenzen.

Die ganz großen Deals

In den zunehmend interessanter werdenden, deutschen Serien wird in der Regel noch eher klein und kompakt gedacht. Statt die Fäden weitläufig über 12 bis 24 Folgen auszulegen, wird die Geschichte im engen Rahmen von sechs Folgen auserzählt. Da stellt sich dann oft die Frage, wie es im Erfolgsfall schlüssig weitergehen kann. Das Autoren-Trio HaRiBo geht bei "4 Blocks" denselben Weg, wie andere internationale Mafiaserien. Im Machtgefüge konkurrierender Clans müssen die Machtverhältnisse auch hier ständig neu sortiert und erkämpft werden.

Statt um kleine Schutzgelderpressungen, Spielautomaten- und  Drogengeschäfte auf der Straße geht es jetzt in größerem Maßstab um die ganz großen Deals. Nach 26 Jahren in Deutschland hat Ali Hamady endlich seinen deutschen Pass und die unbefristete Aufenthaltserlaubnis und versucht seine Geschäfte zu legalisieren, im Immobiliensektor vermietet er im Auftrag der Senatsverwaltung Flüchtlingsnotunterkünfte.

Fiktion und Realität

An allen Ecken und Enden dockt die fiktive Serie an die Neuköllner Realität an, mit der Not der Flüchtlinge für die sich Ali Hamadys getrennt lebende Frau engagiert. Aber auch mit der alltäglichen Gewalt auf den Straßen, man denke nur an die Ermordung des Clan-Mitglieds Nidal R., erst im September am Rande des Tempelhofer Feldes und die Beschlagnahmung von 77 Immobilen einer arabischen Großfamilie.

Insgesamt ist der Tonfall der Serie noch düsterer und härter geworden. Den Regiestuhl hat Marwin Kren an die beiden Hamburger Genrespezialisten Oliver Hirschbiegel und Özgür Yildirim abgegeben, er selber war als Executive Producer an Drehbuch- und Besetzungsentscheidungen beteiligt.

Kida Khodr Ramadan; © Carsten Kampf
Bild: Carsten Kampf

Können und Präsenz

Schauspieler, Laiendarsteller und Rapper aus dem Kiez bringen auch jetzt wieder ihre eigene Geschichte und Sprache mit und sorgen für atmosphärische Glaubwürdigkeit, für street credibility, während Profischauspieler wie Kida Khodr Ramadan und Oliver Masucci mit einer Mischung aus Können und Präsenz glänzen.

Als Kommissar Kutscher sät Masucci gezielt Unfrieden im Clan, im Gefängnis, bei Alis wegen Mordes angeklagtem Bruder Abbas ebenso wie bei der Frau von Alis zweitem Bruder Latif.

Die böse Ironie der Geschichte ist, dass Ali Hamady, den Kutscher so unerbittlich jagt, der einzige im Clan ist, der am liebsten nur noch legale Geschäfte machen würde, vor allem um seine Frau und seine Tochter nicht zu verlieren.

Wie in den großen amerikanischen Mafiageschichten ist auch Ali Hamady voller menschlicher Widersprüche. Auch das macht die Serie so spannend.

Anke Sterneborg, kulturradio

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