Der Trafikant © Tobis Film / Petro Domenigg
Tobis Film / Petro Domenigg
Bild: Tobis Film / Petro Domenigg Download (mp3, 4 MB)

Drama - "Der Trafikant"

Bewertung:

Nikolaus Leytners Film basiert auf dem Roman von Robert Seethaler. Darin zieht der junge Franz aus seinem Heimatdorf nach Wien und lernt so den Psychoanalytiker Sigmund Freud kennen.

Eine Trafik ist eine Art Kiosk in dem Zeitschriften und Zeitungen und Tabakwarenladen verkauft werden. Ein Trafikant der, der "Genuss und Lust und manchmal auch Laster" verkauft. So sagt es der Trafikant bei dem die Hauptfigur, der 17jährige Franz Huchel, von heute auf morgen in die Lehre geschickt wird.

Raus aus der ländlichen Idylle des Salzkammerguts, wo er mit seiner Mutter lebt, hinein in die Großstadt, das Wien des Jahres 1937. Die Trafik seines Lehrherrn, dem Juden Trsnjek, wird sein Mikrokosmos. Hier lernt er die Welt, vor allem aber lernt er den Psychoanalytiker Sigmund Freud kennen.

Der Trafikant © Tobis Film / Petro Domenigg
Bild: Tobis Film / Petro Domenigg

Der beste Freund

Er wird der beste Freund des Jungen. Intuitiv holt Franz sich hier, was er braucht: einen Vaterersatz, einen, der das Leben kennt und die Zigarren liebt. Mit denen nämlich besticht Franz Freud, im Tausch für Rat und Hilfe in allen Lebenslagen. Bruno Ganz – wenn auch offensichtlich unterfordert - spielt Freud als warmherzigen alten Mann, der Gefallen findet an diesem Naturburschen, der so unbedarft in eine Welt hineinstolpert, die eigentlich zu groß für ihn ist.

Der Trafikant © Tobis Film / Petro Domenigg
Bild: Tobis Film / Petro Domenigg

Fiktiv und doch nahe an der Wirklichkeit

Die Geschichte des Franz Huchel ist eine Coming-Of-Age Geschichte vor historischem Hintergrund. Fiktiv und doch nahe an der Wirklichkeit, zeigt sie das Wien der Vorkriegszeit in dem die Nationalsozialisten langsam die Stadt und das Denken ihrer Bewohner übernehmen. All das erleben wir aus der Perspektive des unbedarften Jungen vom Land, von dem österreichischen Shootingstar Simon Morzé als guter, netter Junge gespielt. Es sind die anderen Figuren, die neugierig machen – wie sein Lehrherr, gespielt von Johannes Krisch als grummelig aufrechter Mensch, der sich der politischen Entwicklung mutig entgegenstellt. Oder auch die junge Böhmin, in die Franz sich verliebt oder seine Mutter, die eher bieder bleibt, aber doch eine Frau mit Vergangenheit ist.

Detailgetreu, nicht originell

Der österreichische Schriftsteller Robert Seethaler ist ein großer Erzähler, er hat ein Gefühl für seine Figuren, für Zwischentöne. Doch so wie Nikolaus Leytner diese Geschichte als Film erzählt, verliert sich die so angenehme Beiläufigkeit und wird bedeutungsschwer.

"Der Trafikant" ist ein Film übers Erwachsenwerden und über Freundschaft aber eben auch ein Historienfilm. So detailgetreu die Ausstattung - das Arrangement bleibt erkennbar. In dem Bemühen, alles richtig zu machen, bleiben viel Fantasie und Lebendigkeit auf der Strecke.

Christine Deggau, kulturradio