Der Dolmetscher mit Jirji Menzel und Peter Simonischek; © Barbora Jancarova
Barbora Jancarova
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Drama - "Der Dolmetscher"

Bewertung:

Jiří Menzel ist einer der bekanntesten Vertreter des tschechischen Kinos. Nun kommt ein neuer Film mit dem Oscar-Gewinner und Berlinale-Preisträger in die deutschen Lichtspielhäuser.

Ali Ungár (Jiří Menzel) ist Dolmetscher in Bratislava: Eigentlich ist er längst im Ruhestand, doch dann wird er durch einen überraschenden Fund mit der nationalsozialistischen Vergangenheit konfrontiert. Auf einem alten Foto glaubt er, den Mörder seiner Eltern ausfindig gemacht zu haben: Kurt Graubner, einen ehemaligen SS-Sturmbannführer aus Wien, der im Zweiten Weltkrieg für die Deportation der Juden in der Slowakei zuständig war.

Ungár macht sich – mit einer Pistole in seiner Aktentasche – auf den Weg nach Wien, um Graubner zur Rede zu stellen, trifft dort aber nur noch Graubners Sohn Georg (Peter Simonischek) an. Der hat zunächst wenig Lust, über die Untaten seines Vaters zu diskutieren. Er ist nämlich ein Mensch, der eher den heiteren Dingen des Lebens zugetan ist. Dann aber entschließt er sich doch, sich der eigenen Familiengeschichte zu stellen – und bricht gemeinsam mit dem alten Dolmetscher auf – zu einer Reise kreuz und quer durch die Slowakei.

Mit großer Leichtigkeit

Tätersohn und Opfersohn gemeinsam auf einem Roadtrip auf den Spuren ihrer Väter – es ist kein ganz einfaches Szenario, das sich Regisseur und Drehbuchautor Martin Šulík da hat einfallen lassen. Und doch schafft er es, sich diesem schweren Thema mit großer Leichtigkeit zu nähern.

Das liegt in erster Linie an Peter Siemonischek, der sich auf dieser Reise zunächst wie eine Art österreichischer Schwejk durchschlawinert. Er schäkert mit zwei jungen Frauen, die die Beiden unterwegs beim Trampen aufgabeln, er trinkt auch gern mal einen zu viel, tanzt sich durch eine slowakische Hochzeitsgesellschaft und bezahlt anschließend mit der Kreditkarte seines Dolmetschers. Von Vergangenheitsbewältigung ist da nicht allzu viel zu spüren, eher schon fühlt man sich an Simonischeks ur-komischen Auftritt in "Toni Erdmann" erinnert.

Dann aber, so nach und nach, kippt das Ganze: Je tiefer die beiden Männer in die Slowakei vordringen, je mehr Menschen Gruber kennenlernt, die unter den Gräueltaten seines Vaters leiden mussten, desto mehr wird er sich seiner Verantwortung bewusst.

Dass sich Opfer und Täter am Ende tatsächlich über den Gräbern ihrer Vorfahren näherkommen, ohne das es kitschig wirkt oder konstruiert – das ist wirklich eine Leistung. "Der Dolmetscher" ist eine kluge, sehr menschliche, streckenweise fast schon zärtliche Geschichtsstunde mit zwei außergewöhnlichen Hauptdarstellern.

Carsten Beyer, kulturradio

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