Nur ein kleiner Gefallen: Stephanie (Anna Kendrick, l.) und ihre Freundin Emily (Blake Lively, r.); © Studiocanal/Peter Iovino
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Komödie - "Nur ein kleiner Gefallen"

Bewertung:

Der kleine, titelgebende Gefallen ist natürlich nicht ganz so klein – und hat weitreichende Folgen.

In Komödien, wie "Brautalarm", "Taffe Mädels" und "Ghostbusters" hat der amerikanische Regisseur Paul Feig den Frauen die Türen in das Reich der sonst den Männern vorbehaltenen deftigen Komödie geöffnet.

Diese Frauen nehmen kein Blatt vor den Mund, haben aber auch immer das Herz am rechten Fleck, weshalb man sie eben trotzdem liebt. Jetzt kommt der neue Film von Paul Feig ins Kino, "Nur ein kleiner Gefallen" und natürlich geht es wieder um Frauen.

Nur ein kleiner Gefallen: Stephanie (Anna Kendrick, m.); © Studiocanal/Peter Iovino
Bild: Studiocanal/Peter Iovino

Tipps von Mutti

Erzählt wird der Film aus der Perspektive von Stephanie, einer jungen Witwe und alleinerziehenden Mutter (Anna Kendrick) eines kleinen Jungen. In ihrem Mutti-Blog verbreitet sie mit nützlichen Haushaltstips ihre Anschauung der Welt.

Als die mondäne kapriziöse Emily (Blake Lively) in ihr Leben tritt, wird Stephanies Existenz ordentlich aufgemischt. Im Grunde verbindet die beiden nichts, außer, dass ihre Söhne in dieselbe Klasse gehen. Als Emily sie dann eines Tages bittet, ihren Sohn nach der Schule für ein paar Stunden mit nach Hause zu nehmen, springt sie gerne ein.

Doch dann werden aus den paar Stunden Tage und Wochen, in denen Stephanie zunehmend zu einem unersetzlichen Teil von Emilys Familie wird, zunächst als Ersatzmutter, bald auch als Ersatzfrau für Emilys attraktiven Mann.

Trotzdem lässt Emilys Verschwinden Stephanie keine Ruhe. Bald nutzt sie ihren Blog, um ihre privaten Ermittlungsergebnisse zur Diskussion zu stellen. Sie wird zur Detektivin und blüht dabei zunehmend auf. Aus der eher blassen Hausfrau und biederen Mutter wird eine immer gewieftere Ermittlerin.

In neuem Licht

"Nur ein kleiner Gefallen" ist Paul Feigs erster Film-Noir-Thriller, mit allem, was zu dem Genre dazugehört: einer rätselhaften, verführerischen Femme Fatale, mit mysteriöser Vergangenheit, ein Mord und eine gerade erst abgeschlossene, hohe Lebensversicherung.

Das alles sind bekannte Muster, die Paul Feig ordentlich gegen den Strich bürstet. Bei ihm geht es weniger darum, wer der Mörder ist, als darum was diese Ereignisse mit einer unscheinbaren, blassen Frau machen. Wie sie sich immer stärker emanzipiert, entschlossener, aber auch widersprüchlicher und damit interessanter wird.

Wie in allen Filmen und Serien von Paul Feig geht es also auch hier darum, dass ein Außenseiter, ein Nerd aufblüht und in ganz neuem Licht erstrahlt. Dabei bringt er die Rollenklischees von Mutter und Karrierefrau, von Mann und Frau zum Tanzen.

Nur ein kleiner Gefallen Stephanie (Anna Kendrick, l.) und Sean (Henry Golding, r.); © Studiocanal/Peter Iovino
Bild: Studiocanal/Peter Iovino

Komödiantische Funken

In einer ganzen Reihe von Filmen hat Paul Feig komödiantische Funken aus dem Aufeinandertreffen extremer Gegensätze von schlanken und schönen Frauen mit Hollywoods komödiantischer Wuchtbrumme Melissa McCarthy geschlagen. In "Nur ein kleiner Gefallen" treffen zwei attraktive, aber auch sehr unterschiedliche Frauen aufeinander: Blake Lively als strahlend schöne, schlagfertige und supermodische Amazone und Anna Kendrick als kleines, zierliches, unscheinbares Mäuschen in altbackenen Pullovern.

In schlagfertigen Dialogen werden Stereotypen und Klischees gewitzt auf die Probe gestellt, in einem Drahtseilakt zwischen Realität und Übertreibung, der die Grenzen der Political Correctness immer wieder sprengt.

Die Männer übernehmen dabei die sonst den Frauen zugewiesene Rolle, des attraktiven Accesoires am Rande, in einem Film, der in atemraubendem Tempo immer neue Haken schlägt und auf subversiv vergnügliche Weise immer neue haarsträubende Wendungen nimmt.

Anke Sterneborg, kulturradio

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