Mary Shelley © Prokino
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Film - "Mary Shelley"

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Die rebellische 16-jährige Mary Wollstonecraft Godwin lebt mit ihrem schuldengeplagten Philosophen-Vater und ihrer Schwester in einer kleinen Wohnung. Ihre Mutter Mary Wollstonecraft, Autorin eines aufsehenerregenden feministischen Manifests, ist kurz nach der Geburt ihrer Tochter gestorben.  

Mit "Das Mädchen Wajda" hat Haifaa Al Mansour 2012 Pionierarbeit geleistet. Als erste Frau aus Saudi-Arabien hat sie einen Spielfilm gedreht. Es ging um ein mutiges Mädchen, das sich gegen alle Widerstände der muslimischen Welt das Recht auf ein Fahrrad erkämpft. Damit erregte die Regisseurin auch die Aufmerksamkeit der westlichen Welt, nun hat sie ihren ersten Film in Englisch gedreht: "Mary Shelley", mit Elle Fanning als Titelheldin.

Verwahrlostes Mädchen

Auf den ersten Blick verbindet sie nicht viel, das zwölfjährige Mädchen auf den staubigen Straßen von Riad und die 16-jährige Autorin Mary Shelley aus den erlesenen Salons des 19 Jahrhunderts in England, die mit "Frankenstein" einen der berühmtesten Schauerromane der Welt geschrieben hat. Was diese beiden so unterschiedlichen Frauen dennoch verbindet, ist die Art wie sie sich gegen die Regeln einer männerdominierten Welt auflehnen. Dabei erzählt Haifaa Al Mansour unterschwellig durchaus auch von ihren eigenen Kämpfen als weibliche Filmemacherin in der muslimischen Welt.

Der große Sprung von den vertrauten Straßen Riads in die britischen Salons des 19.Jahrunderts gelingt Haifaa Al Mansour allerdings nur bedingt, das historische England des frühen neunzehnten Jahrhunderts wirkt in "Mary Shelley" steril und gekünstelt, ein bisschen überinszeniert, mit atmosphärisch in Nacht und Nebel getauchten Landschaften, erlesenen Interieurs im Kerzenschein und opulenten Kostümen. In der Kunstfertigkeit der Ausstattung werden die wahrhaftigen Gefühle erstickt, für Fantasie und Geheimnis bleibt wenig Raum.

Mary Shelley © Prokino
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Behutsam auf den Grund gehen

Damit bleibt die größte Aufgabe an der jungen Darstellerin Elle Fanning hängen. Sie ist eine der aufregendsten Schauspielerinnen ihrer Generation, steht schon seit sie 2 ist vor der Kamera, unter anderem in "I am Sam", "Babel", "Maleficent", "The Door in the Floor", "Somewhere" von Sofia Coppola). Ihr gelingt es, Einblicke in die sprühende Fantasie, die leidenschaftliche Romantik, die rebellische Widerspenstigkeit von Mary Shelley zu vermitteln. Sie gibt dem Film seine stärksten Momente und holt die historische Emanzipationsgeschichte in die Moderne, macht sie zum zeitlosen Plädoyer für Gleichberechtigung.

Dabei passt sie gut zu den heute virulenten Gleichberechtigungs-Debatten, zu einer ganzen Flut von Filmen, die von selbstbewussten kämpferischen Frauen, von Königinnen und Künstlerinnen  in den unterschiedlichsten Zeiten und Umständen erzählen, wie zum Beispiel in der nächsten Woche "Die Frau des Nobelpreisträgers" oder in drei Wochen "Maria Stuart - Königin von Schottland".

"Frankenstein oder der moderne Prometheus"

Die melancholisch makabre Stimmung auf dem Friedhof, wo sich die sechzehnjährige Mary am Grab ihrer Mutter lesend und schreibend dem Trubel und den Pflichten im Elternhaus entzieht. Die Bücherschätze in der Buchhandlung des Vaters. Zwei Eltern, die Autoren sind, der Vater William Goodwin als Philosoph, die Mutter Mary Wollstonecraft hat 1792 mit "Die Verteidigung der Rechte der Frau" ein frühfeministisches Standardwerk verfasst: Gleich in den ersten Szenen sind alle Komponenten ausgelegt, die ein paar Jahre später zu einem Klassiker der Schauerliteratur führen werden, den Mary Shelley mit gerade mal 18 Jahren verfasst und erst zwei Jahre später veröffentlichen kann: "Frankenstein oder der moderne Prometheus".

Anke Sterneborg, kulturradio

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