Szenenfoto - Ben is Back
Bild: Tobis / Mark Schafer

Drama - "Ben is Back"

Bewertung:

Ben ist zurück - doch aus den panischen Reaktionen seiner Familienmitglieder lässt sich auf eine schwierige Familiengeschichte schließen ...

In "Pieces of April – Ein Tag mit April Burns" hat Regisseur und Autor Peter Hedges von einer herzzerreißenden Thanksgiving-Familienfeier erzählt: Eine junge Frau (Katie Holmes) lädt ihre Eltern und Geschwister nach New York in ihr kleine Appartement ein, wo sie zusammen mit ihrem Freund ein Truthahn-Essen auftischen will, bei dem dann aber so ziemlich alles schief geht, was nur schiefgehen kann.

Auch in seinem neuen Film geht es um eine schwierige Familien-Zusammenführung, dieses Mal an Weihnachten. "Ben is back" heißt der Film, prominent besetzt mit Julia Roberts und Lucas Hedges, Ben ist zurück, doch das sind nicht nur gute Nachrichten. Aus den ganz unterschiedlichen, zum Teil sehr panischen Reaktionen der anderen Familienmitglieder lässt sich schnell auf eine schwierige Familiengeschichte schließen, die Mutter, (Julia Roberts) ist die Einzige, die ihren Ältesten nach dem ersten Schock erfreut in die Arme schließt, als er  am Weihnachtsmorgen unerwartet vor dem Haus steht.

Wenn das schwarze Schaf überraschend beim Familienfest auftaucht

Danach passiert, was man so oder so ähnlich schon öfters im Kino gesehen hat, wenn das schwarze Schaf überraschend beim Familienfest auftaucht, Ben bringt jede Menge Unruhe in die Festvorbereitungen.

Ganz langsam sickert die Leidesgeschichte dieser Familie durch die Poren dieses Films, aus kleinen Bemerkungen am Rande, aus besorgten Reaktionen, misstrauischen Vorsichtsmaßnahmen und abgerungenen Versprechungen. Ben hat offensichtlich eine schwere Drogensuchtgeschichte hinter sich, war kriminell, mehrfach rückfällig und ist irgendwie in den Drogentod seiner Freundin verwickelt. Unter der Bedingung, dass sie ihren Sohn 24 Stunden nicht aus den Augen lässt, wird dem Sohn der Heimaturlaub zugestanden, was in der Umsetzung erheblich schwerer ist als im Plan.

Julia Roberts
Bild: Tobis / Mark Schafer

Zurückhaltendes Understatement

Die Schauspieler nutzen den Raum den ihnen das Drehbuch eröffnet, sie setzen auf zurückhaltendes Understatement, auf all die Zweifel, Ängste und Widersprüche, von denen sie zwischen den gesprochenen Sätzen in Gestik und Mimik erzählen. Julia Roberts spielt ihren Star-Appeal völlig herunter und Lucas Hedges, der Sohn des Regisseurs, der in Filmen wie "Manchester by the Sea" und "Der verlorene Sohn" bereits verschiedene  Problem-Teenager-Facetten durchgespielt hat, glänzt in einer anspruchsvollen, vielschichtigen und brüchigen Rolle, im Widerspruch zwischen seiner recht kraftvollen physischen Erscheinung und einer sehr fragilen Psyche.

Dramatische Studie über Sucht und Co-Abhängigkeit

In der zweiten Hälfte öffnet sich das intime Familiendrama zum spannenden Thriller auf Leben und Tod, mit immer mehr Druck von zwielichtigen Verbindungen zur Vergangenheit, bei denen Ben noch offene Rechnungen hat, von alten Drogenbekanntschaften, die ihn wieder in sein altes Leben ziehen.

Das ist auch für Peter Hedges ein neuer Tonfall, der bisher in Filmen wie "Pieces of April", "Dan mitten im Leben" und zuletzt "Das wunderbare Leben des Timothy Green" immer wieder tragikomisch zerbrechliche Liebes- und Familienbeziehungen ausgelotet hat.

Ben is back ist eine zunächst leise, dann zunehmend dramatische Studie über Sucht und Co-Abhängigkeit in der Familie.

Anke Sterneborg, kulturradio

weitere rezensionen

Filmstill aus "Marighella" (2019) von Regisseur Wagner Moura (Bild: O2 Filmes )
O2 Filmes

69. Berlinale | Wettbewerb - "Marighella"

"Marighella" ist das Regiedebüt des Schauspielers Wagner Moura, der vor zwölf Jahren als Darsteller zur Berlinale kam, in dem mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten Film "Tropa de Elite". Darüberhinaus ist er auch aus der Fernsehserie "Narcos" bekannt, in der er den berüchtigten Drogenboss Pablo Escobar spielt.

Bewertung:
Elisa y Marcela | Elisa & Marcela | Elisa und Marcela von Isabel Coixet
Netflix

69. Berlinale | Wettbewerb - "Elisa y Marcela"

Der neue Film der katalanischen Regisseurin Isabel Coixet, "Elisa y Marcela", ist nicht nur für die Bären, sondern auch für einen Teddy Award nominiert – denn es geht um die erste lesbische Ehe, die am Anfang des 20. Jahrhunderts in Spanien geschlossen wurde.

Bewertung: