The Wife, hier: Joe Castleman (Jonathan Pryce) und Joan (Glenn Close); © SquareOne Entertainment / Graeme Hunter
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Drama - "The Wife – Die Frau des Nobelpreisträgers"

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Joan Castleman stand und steht als Frau des berühmten Schriftstellers Joe Castleman stets in der zweiten Reihe. Als ihr Ehemann den Literaturnobelpreis bekommen soll, gerät das Ehegefüge allerdings ordentlich ins Wanken.

Keine Frage, Glenn Close gehört zu den ganz großen Hollywood-Schauspielerinnen der letzten 30 Jahre: "Eine Verhängnisvolle Affäre", "Gefährliche Liebschaften" oder "Garp und wie er die Welt sah" – in ungezählten Klassikern hat die Frau mit dem stahlharten Lächeln bereits mitgespielt. Trotzdem hat sie noch immer keinen Oscar gewonnen, obwohl sie bereits sechs Mal nominiert war. Vielleicht klappt es ja in diesem Jahr: Immerhin zählt Close für viele Kritiker zu den Top-Favoritinnen – mit ihrer Hauptrolle in dem Film "The Wife" (deutscher Titel: "Die Frau des Nobelpreisträgers").

Ein großer Lebenstraum

In der Roman-Verfilmung des schwedischen Regisseurs Björn Runge ("Om jag vänder mig om") spielt Glenn Close Joan Castleman, eine attraktive und selbstbewusste Frau Mitte 60. Eines Morgens klingelt bei ihrem Mann, dem amerikanischen Bestseller-Autor Joe Castleman (Jonathan Pryce) das Telefon: Die Nobel-Akademie in Stockholm ist am Apparat und überbringt die frohe Kunde, dass er den nächsten Literatur-Nobelpreis erhalten soll.

Die Freude ist zunächst riesengroß – bei beiden. Da wird noch im Schlafanzug auf dem Ehe-Bett herumgetanzt, alle Freunde werden eingeladen, die Kinder kommen, um zu gratulieren – es scheint, als ginge ein großer Lebenstraum endlich in Erfüllung.

The Wife, hier: Reporter Nathaniel Bone (Christian Slater); © SquareOne Entertainment / Graeme Hunter
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Risse in der Fassade

Je näher der Tag der Preisverleihung rückt, desto mehr zeigen sich Risse in der Fassade dieser scheinbar perfekten Ehe: Denn der frischgebackene Nobelpreisträger ist zwar durchaus eloquent, aber er ist auch ganz schön eitel und trotz seines fortgeschrittenen Alters noch ein ziemlicher Schwerenöter. Je größer Joes Ego wird, desto mehr geht er Joan auf die Nerven.

Dazu kommen die Probleme mit Sohn David (Max Irons), ebenfalls ein Schriftsteller, der vergeblich auf die Anerkennung seines berühmten Vaters hofft – und dem Journalisten Nathaniel Bone (Christian Slater), angeblich der Biograf von Joe Castleman, der ganz nebenbei auch in den Familiengeheimnissen der Castlemans herumschnüffelt.

Die Tage des Patriarchats sind gezählt

"Die Frau des Nobelpreisträgers" ist eine Mischung aus Komödie und Tragödie: Das absurde Brimborium um die Nobelpreisverleihung wird von Regisseur Björn Runge immer wieder mit bösen Seitenhieben bedacht. Gleichzeitig wird der Zuschauer Zeuge des Scheiterns einer Ehe – just in dem Moment, in dem sie ihre – scheinbare – Erfüllung findet.

Am Ende bleiben ein gescheiterter Traum, eine aufgedeckte Lebenslüge und eine Nobelpreismedaille im Straßengraben. Die Tage des Patriarchats sind gezählt, auch im Kulturbetrieb. Möge sich diese Erkenntnis in Hollywood herumsprechen!

Carsten Beyer, kulturradio

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