Liao Fan und Zhao Tao in Asche ist reines Weiß
Xstream Pictures/MK Productions/ARTE France Cinéma
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Drama - "Asche ist ein reines Weiß"

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Chinesische Filmemacher haben es nicht leicht. Das wurde gerade bei der Berlinale wieder deutlich, als im letzten Moment der Wettbewerbsfilm ONE SECOND von Zhang Yimou zurückgezogen wurde.

Die offizielle Begründung, es habe Probleme bei der Fertigstellung gegeben, wird von vielen bezweifelt, es werden politische Gründe vermutet. Nun also hat "Asche ist reines Weiss" von Zhang-Ke den Weg in die deutschen Kinos gefunden.

Parallelen zur Realität

Doch anders als man denken könnte, ist dieses Liebesdrama keineswegs ein Film ohne politische Botschaft. "Asche ist reines Weiss" spannt einen riesigen Bogen – vom Jahr 2000 bis 2018. Erzählt wird die Geschichte eines Paares, doch geht es genauso auch um konkrete gesellschaftliche Entwicklungen – wie den Bau der Drei Schluchten – eine Talsperre, durch den mehrere Millionen Menschen zwangsumgesiedelt wurden –, es geht um Kriminalität, um die Rolle der Frau. Und dass Zhang-Ke hier Parallelen zur Realität seiner Heimat zieht, macht er schon in der allerersten Einstellung unmissverständlich klar: dokumentarische Aufnahmen von Arbeitern im Bus, müde Gesichter, Armut. Bilder, die wie eine Überschrift zu lesen sind.

Bin und Qiao

Von diesen Gesichtern aus bewegen wir uns ins Kriminellen-Milieu der Millionenstadt Datong. Eine Männerwelt, in der das Geld regiert und die Spielregeln klar sind. Man bezeichnet sich als "Brüder". Man tut sich nichts. Waffen hat man, nutzt sie aber nicht. Und man hält sich unausgesprochen an einen Ehrenkodex.

Chef dieses Clans ist Bin, der mit viel Verstand und Zuneigung zu seinen Brüdern agiert. Qiao ist seine Freundin. Eine kleine zarte Frau mit akkurat geschnittenem schwarzem Haar, wachem Blick, aufrechter Haltung. Sie gehören zusammen. Irgendwie regieren sie diese Welt sogar gemeinsam. Denn diese Frau, das ist klar, genießt Respekt. Und das nicht nur, weil sie die Freundin des Chefgangsters ist.

Qiao steht im Mittelpunkt des Films. Eine Frau, die unbedingte Loyalität für ihren Mann hat, ihm das Leben rettet, für ihn ins Gefängnis geht, ihn in ganz China sucht, als er verschwindet.

Elegant und klug, in starken großen Bildern gleiten die Figuren durch die Jahre. Immer wieder spart Zhang-Ke entscheidende Momente aus, die sich dann irgendwann von selbst erzählen. So wie die Kamera oft nicht da ist, wo wir sie erwarten, noch im Moment verharrt, wenn die Handlung schon weitergeht. Das ist genauso spannend zu beobachten wie diese real existierende Unterwelt aus der Perspektive einer Frau zu erleben.

Qiao (Zhao Tao) rettet Bin (Liao Fan) das Leben und verliert dabei fast das eigene. © Neue Visionen Filmverleih
Bild: Neue Visionen Filmverleih

Meisterregisseur

Zhang-Ke zählt seit vielen Jahren zu den wichtigsten chinesischen Filmemachern. Regelmäßig ist er bei europäischen Festivals vertreten, 2006 gewann er in Venedig den Löwen mit "Still live", letztes Jahr lief "Asche ist reines Weiss" in Cannes im Wettbewerb. In Europa gilt der 49-Jährige zurecht als Meisterregisseur.

Christine Deggau, kulturradio

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