Der Goldene Handschuh
Warner Bros/Gordon Timpen
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69. Berlinale | Wettbewerb - "Der Goldene Handschuh"

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Unter den diesjährigen Wettbewerbsbeitragen der Berlinale ist Fatih Akins "Der Goldene Handschuh". Darin erzählt der Regisseur die Geschichte des Hamburger Serienmörders Fritz Honka.

St. Pauli, Anfang der Siebzigerjahre: In der Kneipe "Zum Goldenen Handschuh" sammeln sich Gelegenheitsprostituierte, Alkoholiker und gescheiterte Existenzen. Mit Schlagermusik aus der Jukebox und großen Mengen billigem Fusel feiern sie eine nie endende Party. Der Wirt zieht einfach nicht die Vorhänge auf, nur ab und zu fällt einer der Stammgäste tot vom Hocker. Mittendrin: Der Hilfsarbeiter Fritz Honka (Jonas Dassler), genannt "Fiete" – der Mann, der als Frauenmörder von St. Pauli traurige Berühmtheit erlangt.

Die Details stimmen

Für seine Verfilmung von Heinz Strunks Tatsachen-Roman "Der Goldene Handschuh" hat Regisseur Fatih Akin das St. Pauli der Siebzigerjahre wiederauferstehen lassen: Die Details stimmen – von den Resopal-Tischen über die vergilbten Vorhänge bis hin zu den ranzigen Pornobildchen in Honkas schäbiger Dachgeschoss-Wohnung. Das Anliegen von Roman-Autor Strunk, dem Serienmörder seine "menschliche Würde zurückzugeben", sucht man jedoch vergebens in diesem Film.

Bucklig, schielend und mit breitem sächsischen Akzent stolpert sein Hauptdarsteller Jonas Dassler durch ein finsteres Dunkeldeutschland – wie eine Mischung aus Frankenstein-Monster und Glöckner von Notre Dame: Auch wenn die Kamera an manchen Stellen gnädig wegschwenkt, die Gewalt und der Horror dessen, was sich in Honkas Wohnung abspielt, bleiben lange hängen.

Von menschlicher Würde ist da nichts zu spüren – auch nicht bei den Opfern: ältere Frauen und Gelegenheitsprostituierte, die Honka im Goldenen Handschuh kennenlernt und die für eine Flasche Schnaps oder einfach nur in der Hoffnung auf ein Dach über dem Kopf mit zu ihm nach Hause kommen.

Unwürdige Horrorschau

Als der Film nach zwei Stunden mit der zufälligen Entdeckung der Leichenteile endet – Honka hatte seine Opfer zersägt und hinter den Holzwänden seiner Wohnung versteckt – ist man erleichtert und gleichzeitig angeekelt, dieser unwürdigen Horrorschau beigewohnt zu haben.

Als Bewerbung für Akins nächstes Projekt (eine Stephen-King-Verfilmung) mag dieser Film taugen. Im Wettbewerb eines A-Festivals hat er aber definitiv nichts zu suchen.

Carsten Beyer, kulturradio

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kulturradio-Motiv: Schnecke_Mund; Bild: rbb

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Szenenbild aus "Amazing Grace" von Alan Elliott (Quelle: Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC)
Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC

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