Der verlorene Sohn mit Lucas Hedges und Nicole Kidman; © UPI/Kyle Kaplan
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Drama - "Der verlorene Sohn"

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Nach einer wahren Geschichte: Regisseur Joel Edgerton erzählt von dem 19-jährigen Jared, der von seinen Eltern wegen seiner Homosexualität zu einer religiösen Reparativtherapie gezwungen wird.

Jared Eamons (Lucas Hedges) wächst in einer US-amerikanischen Kleinstadt wohlbehütet als Sohn eines Baptisten-Predigers auf. Sein Leben scheint vorgezeichnet: Highschool, College- Abschluss, Heirat mit seiner Jugendliebe Chloe (Madelyn Cline) und dann ein Job im Autohaus. Doch Jared interressiert sich gar nicht für Frauen. Als ein Mitstudent Jared als schwul outet, bricht für Vater Marshall (Russell Crowe) und Mutter Nancy (Nicole Kidman) eine Welt zusammen.

Sie stellen Jared vor die Wahl: Entweder er stellt sich einem "Umerziehungsprogramm" oder sie wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Schweren Herzens geht der junge Mann in das "Love in Action"-Center des Ex-Priesters Viktor Sykes (Joel Edgerton). Dort, so verspricht Sykes, sollen Homosexuelle in wenigen Wochen "umgedreht" werden.

Die Teilnehmer des Programms dürfen nicht mit der Außenwelt kommunizieren, sie dürfen die anderen Kursteilnehmer nicht berühren – und sie dürfen nicht mal alleine auf die Toilette gehen. Stattdessen sollen sie über ihr Sexual-Verhalten nachdenken und mit Hilfe von Gebeten und Meditation eine Läuterung anstreben.

Die sogenannte Konversions-Therapie – das vermeintliche "Umerziehen" von Homosexuellen zu einer heterosexuellen Lebensweise – ist weltweit umstritten. In einigen europäischen Ländern ist die Therapie verboten, weil sie schweren psychischen Schaden anrichten kann.

In den USA dagegen, wo strenggläubige Christen in manchen Staaten großen Einfluss auf den Gesetzgeber haben, wird sie noch immer praktiziert. Was das für Folgen haben kann, zeigt das Buch "Boy Erased: A Memoir" von Garrard Conley, das Joel Edgerton nun verfilmt hat.

Dass der australische Regisseur dabei auf Klischees und Schwarz-Weiß-Zeichnungen verzichtet, macht seinen Film um so stärker: Russell Crowe und Nicole Kidman überzeugen als besorgte Eltern, die zwischen der Moral ihrer Kirche und der Liebe zu ihrem Sohn hin- und hergerissen sind. Lucas Hedges zeigt einmal mehr, warum er zu den gefragtesten US-amerikanischen Nachwuchsschauspielern gehört und Regisseur Joel Edgerton selbst spielt Viktor Sykes – den Mann, der sich durch sein Programm selbst vom Homo- zum Heterosexuellen gewandelt haben will.

Tatsächlich hat der "echte" Viktor Sykes (ein Baptisten-Pfarrer namens John Smid) nach einigen Jahren seine Familie wieder verlassen. Er hat sich in einen Mann verliebt, diesen geheiratet und die Lehren von“Love in Action” öffentlich widerrufen. Die "Konversion" aber gibt es immer noch.

Carsten Beyer, kulturradio

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