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69. Berlinale | Wettbewerb - "Elisa y Marcela"

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Der neue Film der katalanischen Regisseurin Isabel Coixet, "Elisa y Marcela", ist nicht nur für die Bären, sondern auch für einen Teddy Award nominiert – denn es geht um die erste lesbische Ehe, die am Anfang des 20. Jahrhunderts in Spanien geschlossen wurde.

Die beiden jungen Frauen lernen sich in einer Klosterschule in der erzkatholischen, galizischen  Provinz kennen und fühlen sich sofort stark zueinander hingezogen. Marcelas Vater schreitet ein, und schickt seine Tochter auf eine Schule in Madrid. Drei Jahre später finden die beiden wieder zusammen, sie arbeiten als Lehrerinnen und erregen mit ihrer heimlichen Beziehung allerdings bald die Aufmerksamkeit der misstrauischen Dorfgemeinschaft.

Als der Druck immer größer wird, verschwindet Elisa und gibt sich kurze Zeit darauf, notdürftig verkleidet, im Anzug, mit kurzen Haaren und aufgemalten Bartstoppeln als Elisas Cousin Mario aus. Die beiden heiraten, fliegen dann aber trotzdem auf. Neben dem landesweiten Skandal droht ihnen eine sehr lange Gefängnisstrafe.

Isabel Coixet nähert sich der Vergangenheit mit den Mitteln des frühen Kinos. In langsamem, bisweilen fast langatmigem Erzählrhythmus, in fahlen Schwarz-Weiß-Bildern und mit altmodischen Kreisblenden am Ende langer Einstellungen taucht sie in traditionelle Dörfer und wunderschöne Landschaften ein, in denen die Natur zum Verbündeten der Frauen wird, wohingegen die Menschen eine feindselige Kraft darstellen. Nur die Liebesszenen haben eine moderne Sinnlichkeit, ein Körpergefühl, dass damals so wohl eher nicht denkbar gewesen wäre.

"Elisa y Marcela" ist das erste Netflix-Original im Wettbewerb der Berlinale.  Bei der Pressekonferenz hat Isabel Coixet eine Lanze für den unter Kinopuristen oft verteufelten Streamingdienst gebrochen, der ihren schwarz-weißen Film mit dem schwierigen Thema ermöglichte, um den sie zuvor zehn Jahre lang vergeblich gekämpft hatte. Netflix sei schließlich nicht die Mafia.

Anke Sterneborg, kulturradio

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"Marighella" ist das Regiedebüt des Schauspielers Wagner Moura, der vor zwölf Jahren als Darsteller zur Berlinale kam, in dem mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten Film "Tropa de Elite". Darüberhinaus ist er auch aus der Fernsehserie "Narcos" bekannt, in der er den berüchtigten Drogenboss Pablo Escobar spielt.

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Szenenbild aus "Amazing Grace" von Alan Elliott (Quelle: Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC)
Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC

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