Filmszene "Frühes Versprechen" Romain Gary als Kind mit seiner Mutter im Kino © Camino Filmverleih
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Drama - "Frühes Versprechen"

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Der französische Schriftsteller und Diplomat Romain Gary hat ein bewegtes Leben geführt, unzählige Bücher hat er – immer wieder auch unter Pseudonym - veröffentlicht, was dazu führte, dass er als einziger Schriftsteller überhaupt gleich zwei Mal den begehrten Prix Goncourt erhielt

In Frankreich zählt FRÜHES VERSPRECHEN zur Schullektüre und wurde schon mehrfach verfilmt. Jetzt neu von dem Franzosen Eric Barbier. FRÜHES VERSPRECHEN gilt als Garys autobiographisches Schlüsselwerk. Erschienen 1960, beschreibt er hier seine Kindheit und Jugend, sein Heranreifen als Mann. Jahre, die entscheidend von der Beziehung zu seiner Mutter geprägt sind. Für sie ist ihr Sohn ein Wunder von dessen Einzigartigkeit die Welt überzeugt werden muss. Geht es nach ihr, soll er Schriftsteller werden und Diplomat, er soll reich werden und ein Frauenheld, und er soll das Vaterland retten: Frankreich.

Um diese innige, übergriffige, zärtliche wie lebensrettende Beziehung geht es in diesem Buch. Gary hat wie man weiß, einiges dazu gedichtet, anderes ausgelassen – doch was bleibt ist eine einzigartige Liebeserklärung an seine Mutter.

Die Wünsche seiner Mutter

Und vieles von dem, was seine Mutter sich für ihn ausgedacht hat, ist eingetroffen: Er wurde der französische Lebemann, er war Regisseur, Diplomat, Kriegsheld. Nur einen Wunsch hat er seiner Mutter nicht erfüllt: Adolf Hitler zu töten.

Gary, der 1914 in Russland als Sohn eines jüdischen Pelzhändlers und einer Schauspielerin geboren wurde und nachdem der Vater die Familie sitzenließ mit seiner Mutter 1927 nach Frankreich ging, muss ein Leben geführt haben, das vor allem ein Ziel hatte: seine Mutter nicht zu enttäuschen.

Filmszene "Frühes Versprechen" Romain Garys erste Erfolge als Schriftsteller © Camino Filmverleih
Bild: Camino Filmverleih

Garys Erinnerungen

Der Film von Eric Barbier hält sich weitestgehend an die literarische Vorlage. Er verankert sie in einer Rahmenhandlung in den 60er Jahren, als Gary von seiner ersten Ehefrau ins Krankenhaus gebracht wird, weil er glaubt, sterben zu müssen, und die da das Manuskript FRÜHES VERSPRECHEN entdeckt und liest.

Mit ihr gehen wir zurück in die Erinnerungen Garys - als Kind, Jugendlicher, als junger Mann. Der wird gespielt von dem französischen Star Pierre Niney ("Frantz", "Yves Saint-Laurent") – sehr elegant, sehr kühl und zurückhaltend. Das mag auch mit der Dominanz von Charlotte Gainsbourg zu tun haben, die mit viel Maske in ihre Rolle schlüpft. Ihre Darstellung des Muttertiers ist so fahrig wie laut, eine Kette rauchende, raumgreifende Person, die sich bis zur Selbstaufgabe der Karriere ihres Sohnes verschreibt.

Es fehlt an Humor und Distanz

Das größte Problem aber ist, dass beide Figuren nicht greifbar werden, weil sie gar nicht wirklich bei sich sind. Und auch weil andere Referenzpunkte fehlen. Dadurch, dass der Film sich allein auf diese Mutter-Sohn-Beziehung konzentriert, bleibt die Figurenzeichnung eindimensional. So spannend dieses Leben war, so schillernd Gary selbst gewesen sein muss – hier vermittelt es sich vor allem durch die Eckdaten. Es fehlt an Humor und auch an Distanz, um eine Mutter-Sohn-Liebe wie diese heute lebendig zu machen.

Christine Deggau, kulturradio

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