Filmstill aus "Grâce à Dieu" | "Gelobt sei Gott" (2019) von Regisseur Francois Ozon (Bild: Jean-Claude Moireau)
Jean-Claude Moireau
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69. Berlinale | Wettbewerb - "Grace à dieu"

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In François Ozons neuem Film "Grace à dieu" ("Gelobt sei Gott") geht es um drei Männer, die als Jungen in Lyon Opfer von sexuellen Übergriffen durch einen Priester geworden sind.

Nach dem Eröffnungsabend liefen gestern im Wettbewerb zwei Filme von Regisseuren, die dem Festival eng verbunden sind. Fangen wir mit dem Franzosen Francois Ozon an, der zwischen den wichtigen A-Festivals in Cannes, Venedig und Berlin pendelt. Nach "8 Frauen" (2002), "Angel"  (2007) und "Ricky" (2009) stellt er jetzt nach zehn Jahren Pause seinen  neuen Film "Grace à Dieu" wieder in Berlin vor. Es geht um Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester.  In das nach wie vor aktuelle und brisante Thema steigt Ozon zunächst auf sehr sachliche, fast spröde Weise ein. Der Film klinkt sich in den Alltag des rund vierzigjährigen in Lyon lebenden Francois (Melvil Poupaud) mit Frau und fünf Kindern ein, zuhause und beim sonntäglichen Kirchgang.

Eine Mauer des Schweigens

Im Off erzählt er, wie er von der Frage eines früheren Schulkameraden, ob er denn damals auch bei den Pfadfinderreisen vom Pastor befummelt worden sei, völlig aus der Bahn geworfen wird. Die lang verdrängten Vorfälle aus der Kindheit steigen wieder hoch, er beginnt zu recherchieren und stellt entsetzt fest, dass der Pfarrer noch immer im Amt ist und mit Kindern arbeitet. Bei weiteren Nachforschungen stößt er an eine Mauer des Schweigens, die Opfer verstummen aus Scham, die Täter aus Angst vor öffentlichen Skandalen, selbst seine Mutter drängt ihn, die Sache ruhen zu lassen, das sei doch schon so lange her. Doch je mehr alle bremsen, desto hartnäckiger wird er. Und findet viele Opfer des Pfarrers, die Männer gründen eine Aktionsgruppe, gegen das Schweigen, treten an die Öffentlichkeit, bringen Presse und Anwälte ins Spiel.

Ursprünglich wollte Ozon, der sonst dafür berühmt ist schönen Frauen eine Bühne zu bereiten mal einen Film über verletzliche Männer drehen. Bei den Recherchen ist er auf die Website gestoßen, auf der Missbrauchsopfer ihre Aussagen, Presseberichte und Korrespondenzen veröffentlichen. Diese Dokumente und die Lebensgeschichten von mehreren Betroffenen sind jetzt die Basis für eine fiktionalisierte Spielfilmversion dieser Ereignisse.

Ein starker Film

Ozon, der sich hier zum ersten Mal eine Geschichte aus den Nachrichten geholt hat, arbeitet dabei sehr sachlich, fast spröde, mit vorgelesenen Briefen und Emails, mit Begegnungen in nüchternen Räumen. Es dauert eine ganze Weile bis sich die Gefühle einen Weg durch die Lebenspanzer bahnen, und der Film dann auch einen zunehmend stärkeren Sog entwickelt. Umso klarer wird auf diese Weise, dass die Tücke in den Worten liegt, in all den Versuchen der Kirche, diese beispiellosen Verbrechen zu verharmlosen. Manche Formulierungen lassen einem den Atem stocken, wenn etwa ein Kardinal bei einer Pressekonferenz allen Ernstes, sagt, Gott sei Dank  - das Grace à dieu des Titels - sei das ja verjährt. "Grace à Dieu" ist ein starker Film über die fürchterlichen Folgen des Missbrauchs.

Anke Sterneborg, kulturradio

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