Berlinale 2019 | Ich war zuhause, aber © Nachmittagfilm
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69. Berlinale | Wettbewerb - "Ich war zuhause, aber ..."

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Anti-Kino? Angela Schanelec gehörte in den 90er Jahren zu den Mitbegründern der Berliner Schule. Nun ist sie mit "Ich war zuhause, aber ..." erstmalig in den Wettbewerb eingeladen.

Völlig verdreckt und übermüdet kehrt der 13- jährige Phillip (Jacob Lasalle) nach Hause zurück, nachdem er zuvor eine Woche lang verschwunden war. Wo er war, was er getan hat, das sagt er nicht – weder seiner Mutter Astrid (Maren Eggert) noch seinen Lehrern. Auch die Zuschauer werden es im Lauf der nächsten zwei Stunden nicht erfahren. Angela Schanelec dreht Filme, die mehr Fragen liefern als Antworten. Das war schon bei "Mein langsames Leben" so, bei "Nachmittag" und "Orly" - den Filmen, die sie in den vergangenen Jahren im Berlinale-Forum gezeigt hat. Nun ist sie mit "Ich war zuhause, aber ..." erstmalig in den Wettbewerb eingeladen – und treibt ihr bilderschwangeres Anti-Kino auf die Spitze.

Keine Geschichte

Wir sehen einer alleinerziehenden Mutter bei ihrem Berliner Alltag zu: Sie kauft ein kaputtes Fahrrad. Streitet sich endlos mit dem Verkäufer (Alan Williams), der das Rad nicht zurücknehmen will und auch das Geld nicht wieder rausrückt (zu allem Überfluss kann der Mann nur schwer verständlich durch ein Kehlkopf-Mikro sprechen). Sie diskutiert mit einem anderem Mann (Dane Komljen) vor dem Supermarkt leidenschaftlich über eine Filmszene, die die Zuschauer aber nicht zu sehen bekommen. Sie geht mit ihrer Tochter ins Schwimmbad. Zwischendurch gibt es Streit, die Kinder werden ohne Schuhe und Strümpfe auf die Straße geschickt.

Von einer Geschichte kann man in diesem Film nicht reden. "Ich war zuhause, aber ..." ist eher eine Abfolge von Szenen, die einem sehr losen Handlungsgerüst folgen: Zwischendurch gibt es immer wieder rätselhafte Bilder: Ein Hund frisst ein Kaninchen, eine Schülergruppe probt den Hamlet und ein junges Paar (Franz Rogowski und Lilith Stangenberg) diskutiert übers Kinderkriegen. Man hat das Gefühl, Angela Schanelec möchte einfach mal alles in Frage stellen, was wir über das Kino wissen oder zu wissen glauben. Warum sie das tut, darüber will die Regisseurin auch auf der Pressekonferenz nicht wirklich Auskunft geben. 

Filmstill aus "Ich war zuhause, aber" (2019) von Regisseurin Angela Schanelec (Bild: Nachmittagfilm )
Bild: Nachmittagfilm

Keine Botschaft

Angela Schanelec gehörte in den 90er Jahren zu den Mitbegründern der Berliner Schule, hat damals mit Kollegen wie Christian Petzold und Thomas Arslan eine ganz eigene Kino-Sprache geprägt: Triste Farben, sehr lange Einstellungen und Kameraperspektiven, die manchmal wie zufällig ausgewählt wirken. Dieser Ästhethik ist sie treu geblieben, doch es scheint, als seien ihr die Botschaften ausgegangen. "Wenn ein Schauspieler etwas tut oder etwas spricht, dann ist das immer eine Lüge" sagt Maren Eggert an einer Stelle des Films. Darüber würde man gerne sprechen. Angela Schanelec nicht.

Carsten Beyer, kulturradio

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