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69. Berlinale | Wettbewerb - "Kız Kardeşler"

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Vor sieben Jahren lief Alpers Familiendrama "Tepenin Ardı – Hinter dem Berg" auf der Berlinale im Forum und wurde mit dem Caligari Preis ausgezeichnet. In seinem neuen Film erzählt der türkische Regisseur von drei Schwestern, die mit ihrem Vater in einem abgelegen Dorf in Zentralanatolien leben.

Der Titel des neuen Films spielt lose auf die "Drei Schwestern" von Tschechow an. Am Anfang des Films wird Havva, die Jüngste der Schwestern, in ihr abgelegenes Heimatdorf in den anatolischen Bergen zurückgebracht. Sofort ist klar, dass das kein freudiges Wiedersehen, keine glückliche Heimkehr ist. So wie zuvor ihre Schwestern, wurde auch sie von ihrem Vater in die Stadt zu wohlhabenden Familien geschickt, wo sie als Pflegetochter mit Dienstmädchenpflichten immer noch bessere Aussichten hat als in der armen Heimat auf dem Land.

Die Lebensumstände und Zukunftsaussichten, die Sehnsüchte und Enttäuschungen dieser Mädchen werden dann in einer Fülle von Gesprächen und Auseinandersetzungen diskutiert. Aus dem Sehnsuchtsort Moskau bei Tschechow ist hier Ankara geworden. Alle drei Schwestern stecken wieder auf dem Land fest, auch die älteste Nurhan, die im Ort verheiratet ist und mit ihrem arbeitslosen Mann und Baby im engen, dunklen Haus des Vaters lebt.

Wild-romantische Berglandschaft, beredte Gesichter

Seinen ersten Film hat Emin Alper erst mit fast vierzig Jahren gedreht, nachdem er zuvor Ökonomie und Geschichte studiert hat. Bis heute unterrichtet er an der technischen Universität, im Bereich des Films ist er Autodidakt.

Eine große Kraft des Films liegt im Schauplatz, in dieser wild-romantischen Berglandschaft, in die sich das kleine Dörfchen hineinschmiegt, in einer zeitlosen Tradition verharrt, und auch in den beredten Gesichtern der drei Mädchen, alle drei keine Laiendarsteller, sondern erfahrene Schauspielerinnen.

Darüber hinaus aber besteht der Film fast ausschließlich aus Talking Heads, was beim Lesen der Untertitel eine enorme Herausforderung ist. Mal erzählen und streiten die Frauen, mal die Männer untereinander, gelegentlich auch beide zusammen. Dabei gilt das Motto der diesjährigen Berlinale: "Das Politische liegt im Privaten".

Die Frauen haben in den traditionellen türkischen Lebenszusammenhängen nicht viel zu sagen. Aber sie lassen es sich nicht mehr kampflos gefallen. Sie wehren sich und kämpfen mit Leib und Seele um kleine Zentimeter von Freiheit. Doch im Wettbewerb und auch in den Filmen der letzten Jahre gibt es kraftvollere und originellere Filme zum Thema, zum Beispiel "Mustang" von Deniz Gamse Ergüven.

Anke Sterneborg, kulturradio

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69. Berlinale | Wettbewerb - "Marighella"

"Marighella" ist das Regiedebüt des Schauspielers Wagner Moura, der vor zwölf Jahren als Darsteller zur Berlinale kam, in dem mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten Film "Tropa de Elite". Darüberhinaus ist er auch aus der Fernsehserie "Narcos" bekannt, in der er den berüchtigten Drogenboss Pablo Escobar spielt.

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Szenenbild aus "Amazing Grace" von Alan Elliott (Quelle: Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC)
Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC

69. Berlinale | Wettbewerb - "Amazing Grace"

Das Publikum in der New Temple Missionary Baptist Church ist eine Sensation – nicht umsonst wollte Aretha Franklin ihre Platte genau dort aufnehmen. "Amazing Grace" wird zum Meilenstein ihrer Karriere. Jetzt, fast 50 Jahre später, kommt Sydney Pollacks Film in die Kinos. Zum Glück!  

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