Catherine Deneuve und Kacey Mottet Klein in "L’adieu à la nuit" (Quelle: Curiosa)
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69. Berlinale | Wettbewerb - "L’adieu à la nuit"

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Mit keinem anderen Regisseur hat Catherine Deneuve so oft zusammengearbeitet wie mit André Téchiné. Auch in seinem neuen Film "L'adieu à la nuit" ist die große französische Schauspielerin zu sehen.

Trotz seines hohen Alters kreist der 76-jährige Franzose André Téchiné auch in seinem neuen Film um junge Menschen, um radikalisierte Islamisten. Er nähert sich ihnen ganz bewusst aus der Perspektive seiner eigenen Generation, mit der von Cathérine Deneuve verkörperten Großmutter. Die freut sich zunächst sehr, dass ihr erwachsener Enkel Simon sie einige Tage auf ihrem Landsitz mit Pferdegestüt und Obsthain besucht, bevor er nach Kanada auswandern will.

Doch Simon wirkt unruhig und verschlossen, sperrt sich misstrauisch gegen ihre Fragen. Und dann entdeckt sie zufällig, dass er zwischen ihren Kirschbäumen einen Gebetsteppich ausgebreitet hat und betet, also zum Islam konvertiert ist. Bald entdeckt sie, dass er viel Geld von ihrem Konto gestohlen hat und nicht zum Jobben nach Kanada will, sondern mit einer muslimischen Kindheitsfreundin über die Türkei nach Syrien, vermutlich in ein Ausbildungslager des IS.

Der Film kreist nun um die Frage, wie man mit so einer Information umgeht, welche Möglichkeiten es gibt, den jungen Mann zu erreichen und von seinem Entschluss abzubringen.

Auf das Thema gestoßen ist Téchiné durch ein in Frankreich erschienenes Buch mit Interviews, in denen junge Franzosen über ihre Jihad-Erfahrungen in Syrien sprechen. Er fragte sich, ob es möglich ist, sie filmisch zum Leben zu erwecken und hat dann mit der Figur der Großmutter seine eigene Perspektive eingeführt, um einen Dialog in Gang zu setzen. Und genau das tut der Film: Er verurteilt nicht, sondern wirft Fragen auf und versucht zu verstehen. Als Co-Autorin hat er sich die junge Regisseurin Léa Mysius geholt, deren Spielfilmdebüt "Ava" im vergangenen Jahr bei uns im Kino lief.

Gespielt wird die Großmutter von Catherine Deneuve, die ihren Star-Glamour unter einem gelben Friesennerz verbirgt und hier wieder, wie schon so oft in den letzten Jahren, eine erdige Bäuerin spielt. Im Film ist ihre Welt ein Paradies mit blühenden Kirschbäumen und wilden Tieren, das pure Leben, im Kontrast zum destruktiven Weg der jungen Menschen, für die nur das Leben nach dem Tod zählt.

Diese Gegenüberstellung wirkt bisweilen recht plakativ. Trotzdem wirft der Film einige nachdenkliche Fragen zu einem virulenten Thema auf.

Anke Sterneborg, kulturradio

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