La paranza dei bambini | Piranhas © Palomar 2018
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69. Berlinale | Wettbewerb - "La paranza dei bambini"

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Die Camorra in Neapel hat auch früher schon Jungs ins organisierte Verbrechen hineingezogen. Neu aber ist, dass jetzt schon Fünfzehnjährige ihre eigenen Gangs gründen, selber Boss werden.

Roberto Saviano ist durch seine aufsehenerregende Sachbuch-Studie "Gomorrha", über die neapolitanische Mafia, die Camorra berühmt geworden. Das Buch wurde anschließend sehr erfolgreich, erst als Kinofilm, dann als Fernsehserie verfilmt. Auch in "La paranza dei bambini", basierend auf dem gleichnamigen Roman von Roberto Saviani, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, geht es wieder um das organisierte Verbrechen in Neapel, und zwar um die allerjüngsten Mitglieder der Camorra, um ganz junge Teenager.

Schon in der dritten Staffel der Fernsehserie "Gomorrha" fielen wilde, freche Jugendbanden auf ihren Motorrädern wie ein Heuschreckenschwarm über die engen Gassen von Neapel her und krempelten die Mafiastrukturen mit ihrem rotzfrechen Draufgängertum um. Jetzt sind diese Kids noch ein bisschen jünger: Gerade mal Teenager, fahren sie keine Motorräder, sondern Vespas. Sie erleben die Armut, sehen keine Chancen für ihre Zukunft und nehmen ihr Schicksal und das ihrer Mütter mit 15 selbst in die Hand.

Wie "Gomorrha" erzählt nun auch "La paranza dei bambini" nicht vom schillernden Kino-Mythos der Mafia, sondern von der schmutzigen Realität. Ganz unmittelbar und mit ungeheurem Drive wird man in diese Welt hineingezogen, in der eine toxische Männlichkeit mit italienischem Machismo und jugendlichem Übermut angereichert ist. Zu dieser hyperaktiven, vibrierenden, gefährlichen Energie passt der englische Titel "Piranhas" noch viel besser als der italienische Originaltitel "La paranza dei bambini", was schlicht Kinderbande bedeutet.

Wenn die Jungs mit Drogenhandel und Schutzgelderpressung bündelweise schnelles Geld verdienen und von ihrem Erfolg und ihrer Macht ganz besoffen sind, breitet sich eine überschäumende Euphorie aus, die jeden Moment in tödliche Angst umkippen kann. Sie wirken wie spielende Kinder mit Spielzeugpistolen. Doch die Waffen sind echt und die Lebensgefahr allgegenwärtig.

Diese Achterbahnfahrt zwischen Euphorie und Angst fängt der Film mit realistischer Unmittelbarkeit ein, nicht zuletzt auch dank der jungen Laiendarsteller, die auf den Straßen von Neapel gecastet wurden.

Obwohl Autor Roberto Saviano wegen Morddrohungen aus dem Milieu des organisierten Verbrechens unter Polizeischutz steht, war er auf der Pressekonferenz, im Kino und auf dem Empfang in der italienischen Botschaft ohne spürbar erhöhte Vorsichtsmaßnahmen anwesend. Auf der Pressekonferenz hat er noch einmal bekräftigt, dass er sich von der Angst nicht stoppen lassen will.

Anke Sterneborg, kulturradio

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kulturradio-Motiv: Schnecke_Mund; Bild: rbb

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Szenenbild aus "Amazing Grace" von Alan Elliott (Quelle: Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC)
Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC

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