Der Goldene Handschuh
Warner Bros/Gordon Timpen
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69. Berlinale | Wettbewerb - "Mr. Jones"

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Wieviel Wahrheit steckt im Journalismus? Und welche Opfer muss der Einzelne für diese Wahrheit bringen? Es sind sehr aktuelle Fragen, denen sich die polnische Regisseurin Agnieszka Holland in ihrem neuen Film widmet.

Holland erzählt die Geschichte des walisischen Journalisten Gareth Jones (James Norton), der in den Dreißigerjahren in die Sowjetunion reiste und als einer der ersten über die Millionen von Hungertoten berichtete, die den Kollektivierungen Stalins zum Opfer fielen.

Ein weltweiter Aufschrei

Als der Film einsetzt, ist der ehrgeizige junge Jones noch außenpolitischer Berater des britischen Premier Lloyd George (Kenneth Cranham) und kehrt gerade von einer Reise nach Deutschland zurück – vergeblich warnt er vor der Gefährlichkeit der Nazis.

Nach seiner Demission 1933 geht Jones dann als freier Journalist in die Sowjetunion. Seine geheimen Recherchen in der Ukraine – unter großen persönlichen Risiken und Entbehrungen – führen zu einem weltweiten Aufschrei: Stalin, der zu diesem Zeitpunkt von vielen westlichen Beobachtern noch als großer Modernisierer angesehen wird, erscheint auf einmal in einem ganz anderen Licht.

An den Bildern von verlassenen Dörfern, Massengräbern und verhungernden Kindern kommen auch die Regierungen in Washington und London nicht vorbei.

Bis man Gareth Jones glaubt, dauert es allerdings eine Weile: Denn es gibt auch Kollegen, die von ihrem bequemen Schreibtisch in Moskau aus ein sehr viel rosigeres Bild des Sowjetkommunismus zeichnen – allen voran Pulitzer-Preisträger Walter Duranty (Peter Sarsgaard), Korrespondent der New York Times und Jones' großer Gegenspieler.

Nach einiger Zeit ermüdend

Auch wenn Agnieszka Holland den roten Faden ihrer Geschichte nie aus den Augen verliert, wirkt der Film nach einiger Zeit ermüdend. Zu konventionell ist ihre Erzählweise, zu holzschnittartig sind ihre Charaktere: auf der einen Seite James Norton als aufrechter Kämpfer für die Wahrheit, auf der anderen Seite Peter Sarsgard als sein korrupter und intriganter Gegenspieler, dazwischen mit der New-York-Times-Journalistin Ada Brooks (Vanessa Kirby) noch eine schöne und mysteriöse Frau. Da trieft der Kitsch an manchen Stellen von der Leinwand, da merkt man allzu sehr die Zwänge einer großen internationalen Produktion.

Als Holland vor zwei Jahren auf der Berlinale einen kleinen polnischen Film gezeigt hat – "Pokot – die Spur" – hat sie deutlich mehr überzeugt.

Carsten Beyer, kulturradio

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kulturradio-Motiv: Schnecke_Mund; Bild: rbb

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Szenenbild aus "Amazing Grace" von Alan Elliott (Quelle: Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC)
Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC

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