Rami Malek, Olivia Colman, Regina King und Mahershala Ali, Schauspieler und Preistraeger - der 91. Oscar Verleihung
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91. Oscar-Nacht - Die Oscar-Verleihung 2019

Zum 91. Mal wurden die Oscars vergeben, ohne Moderator, eine Stunde kürzer aber mit großer Vielfalt bei Nominierungen und Preisen. Und einem seltsamen Hang zur ganz großen Schleife.

Zum 91sten Mal wurden gestern in Los Angeles die Oscars vergeben. Noch nie gab es im Vorfeld so viele Turbulenzen wie in diesem Jahr. Ein Preis für den erfolgreichsten Film wurde ausgelobt und nach Protesten wieder zurückgezogen. Um die überlange Verleihung zu straffen, sollten ausgerechnete die kreativ wichtigsten Oscars für beste Kamera, besten Schnitt und Make up in den Werbepausen vergeben werden, auch diese Entscheidung wurde nach heftigen Protesten revidiert.

Und dann die Sache mit dem Moderator: Nach seiner Ernennung stolperte der Komiker Kevin Hart über homophobe Bemerkungen, die er vor zehn Jahren in den sozialen Netzwerken gemacht hat. Ein Ersatz wurde nicht gefunden.

Eine Stunde kürzer und auch ein bisschen blasser

Seit Jahren kämpft die Academy mit Imageverlust, die international live ausgestrahlte Verleihung hat immer weniger Zuschauer, gilt als viel zu lang und langatmig. Lange wurde spekuliert, ob womöglich Whoopi Goldberg im letzten Moment doch noch als Moderatorin angeheuert wurde, weil sie in ihrer Talkshow "The View" krank gemeldet war, aber nein, keine Rettung in Sicht.

Die letzte Verleihung ohne Moderator vor 30 Jahren gilt als Tiefpunkt der Geschichte der Oscars, eigentlich war also bekannt, dass das nicht wirklich funktioniert. Dennoch gab es tatsächlich nur die Präsentatoren der verschiedenen Kategorien und als Auftakt einen Auftritt von Queen, die den Saal mit den Queen-Hymnen "We will rock you" und "We are the Champions" ein bisschen eingestimmt, aber nicht vom Hocker gerissen haben. Insgesamt war die Verleihung dann tatsächlich fast eine Stunde kürzer, aber alles in allem auch ein bisschen blasser, mit vielen besonders pflichtschuldig faden Dankesreden.

Zeichen für die Vielfalt

Was die Nominierungen betrifft, waren die Oscars  in diesem Jahr so bunt wie nie zuvor, mit afroamerikanischen Geschichten wie  "Black Klansman", "Black Panther", "Green Book" und dem Mexikaner Alfonso Cuaron und dem Griechen Yorgos Lanthimos die für ihre Filme "Roma" und "The Favourite". Tatsächlich scheint es als habe sich das Thema Diversität inzwischen nachhaltig in Hollywood verankert, als seien die Oscar so white- Zeiten endgültig vorbei, schon bei den Präsentatoren, die nahezu fifty fifty schwarzweiß ausbalanciert waren, plus einige Asiaten.

Schauspieler wie Javier Bardem oder Diego Luna oder der Regisseur Alfonso Cuaron, die fließendes Englisch beherrschen, sprachen als Zeichen für die Vielfalt in ihrer spanischen Muttersprache.

Und diese Vielfalt hat sich dann auch in den Preisen niedergeschlagen, angefangen vom allerersten Oscar, der an die schwarze Darstellerin Regina King in der James Baldwin Verfilmung "If Beale street could talk" ging. Der ägyptischstämmige Schauspieler Rami Malek wurde erwartungsgemäß für seine Freddy Mercury-Performance mit dem Oscar ausgezeichnet und Mahershala Ali konnte nach dem Oscar für die beste Hauptrolle in "Moonlight" vor zwei Jahren nachgelegen, mit einem Oscar für die beste Nebenrolle in"Green Book", der dann am Ende auch die Königskategorie bester Film mitnehmen konnte. Regie führte da zwar ein weißer Regisseur, Peter Farrelly, aber es ist eine Geschichte über Rassismus in den Sechziger Jahren, eine Art Feelgood Movie über historischen Rassismus und seine Strahlkraft in die Gegenwart. Überhaupt wurden Geschichten gewürdigt, die in Hollywood lange Zeit nicht vorkamen.

Das gilt auch für Alfonso Cuarons "Roma", der aus der Perspektive eines Latino-Hausmädchens erzählt ist und neben dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film, (gegen den Florian Henckel von Donnersmarcks "Werk ohne Autor" den kürzeren zog) weitere Oscars für beste Kamera und beste Regie nach Mexiko tragen konnte.

Auch das ein Zeichen für Vielfalt, nachdem Guillermo del Toro im letzten Jahr für "The Shape of Water" den Doppelwhopper Regie und bester Film mitnehmen konnte.

Kein 50:50 bis 2020

Überraschend waren in diesem Oscar Jahrgang schon die Nominierungen, 10 an der Zahl für "The Favourite" für einen Film der nach Hollywood-Maßstäben ein eigenwilliger Arthaus-Film über Machtspiele und Intrigen unter drei Frauen am britischen Hof ist.

Wäre man böse, könnte man sagen, dass sich Hollywood jetzt auf die Rassendiversität konzentriert und darüber die Frauen wieder aus dem Blick verliert. Nachdem letztes Jahr immerhin mal eine Frau unter den Nominierten für die beste Regie war, war das dieses Jahr wieder eine reine Männerveranstaltung, 50:50 by 2020 das wird sich dort garantiert nicht erfüllen. "Thank you for hiring women und people of color, who will only make the films better", sagte eine der Macherinnen der mit dem Oscar ausgezeichneten Dokumentation "Free Solo" : "This film is for everyone who believes in the impossible."

Zu den größten Überraschungen einer überraschungsreichen Nacht gehörte, dass Glenn Close, die nach sieben Nominierungen in allen Prognosen als absolute Favoritin für den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle galt, für ihr sehr fein austariertes Spiel als "Frau des Nobelpreisträgers", Platz machen musste, für Olivia Colemans Kindregentin. Die Geschichte einer verhinderten Schriftstellerin hätte gut zu einer Zeit gepasst, in der die Frauen immer stärker aus dem Schatten der Männer treten. Doch die spürbar bewegte und erschütterte Olivia Coleman widmete ihrer Kollegin eine besondere Reverenz, sie sei immer ihr Vorbild gewesen, aber so habe sie das nicht gewollt ... Für die ganz großen Emotionen war in diesem Jahr Lady Gaga zuständig, die zwar nicht als Darstellerin von "A Star is born", aber doch immerhin für den besten Song ausgezeichnet wurde, und in ihrer Dankesrede noch einmal spüren ließ, wie roh und emotional diese Rolle an ihrer eigenen Geschichte lag, über eine Sängerin, die den ganz großen Durchbruch gegen alle Wahrscheinlichkeit schafft.

Hang zur ganz großen Schleife am Kleid

Besonders spannend sind bei den Oscars auch die glamourösen Outfits, beziehungsweise die ganz besonderen Entgleisungen. In diesem Jahr gab es einen sehr ein seltsamen Hang zur ganz großen Schleife am Kleid, bei mehreren Schauspielerinnen, darunter auch Olivia Coleman, was recht unironisch an die altbackenen Zeiten erinnerte, in denen sich Frauen als Geschenke für Männer verpackten. Ganz bewusst komisch übersteigert dagegen war das Kleid, das Melissa McCarthy als Patin für das beste Kostümbild trug, ein gigantisches Königinnen-Outfit als Reminiszenz an "The Favourite", wallende Stoffbahnen mit ellenlanger Schleppe und aufgenähten Plüschhasen, die im Film durch die Salons hoppeln. Einer davon war am Handschuh so unglücklich positioniert, dass sie den Umschlag nur mit einiger Verzögerung öffnen konnte ...

 

Anke Sterneborg, kulturradio

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