The Kindness of Strangers: Zoe Kazan, Jay Baruchel © Per Arnesen
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69. Berlinale | Wettbewerb - "The Kindness of Strangers"

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Mit dem neuesten Film "The Kindness of Strangers" hat die Regisseurin Lone Scherfig gestern die letzte Berlinale unter Dieter Kosslick eröffnet.

Die dänische Regisseurin Lone Scherfig ist fast schon Stammgast der Berlinale, ganz früh war sie auf dem Kinderfilmfest mit "Wenn Mama nach Hause kommt", dann war sie schon 2001 im ersten Berlinale Wettbewerb unter der Leitung von Dieter Kosslick mit ihrem Film "Italienisch für Anfänger", und wurde dafür auch mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Jetzt schließt sich ein Kreis, denn mit ihrem neuesten Film "The Kindness of Strangers" hat sie gestern die letzte Berlinale unter Dieter Kosslick eröffnet.

Internationale Schauspieler

Die dänische Regisseurin hat sich seit ihren ersten skandinavischen Erfolgen immer weiter in die Welt hinausbewegt, hat mit internationalen Schauspielern in englisch gedreht, aber ohne sich von Hollywood vereinnahmen zu lassen, konsequent hat sie immer wieder europäische Koproduktionspartner gesucht. "The Kindness of Strangers" lebt von einer illustren Besetzung, keine Superstars, die Helden spielen, sondern Schauspieler, die Menschen verkörpern, unter anderem Zoe Kazan, Andrea Riseborough, Bill Nighy, David Dencik und Tahar Rahim.

The Kindness of Strangers: Finlay Wojtak-Hissong, Bill Nighy © Per Arnesen
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Verschiedene Lebensgeschichten

Am Anfang legt der Film viele verschiedene Fäden aus, beginnend mit einer jungen Frau, Clara (Zoe Kazan), die sich mitten in der Nacht aus dem ehelichen Schlafzimmer schleicht, ihre beiden Kinder aus den Betten holt, ins Auto packt und heimlich aus der Provinz nach New York abhaut. Die von Andrea Riseborough gespielte Alice hilft vielen Fremden, als Krankenschwester, als Leiterin einer Selbsthilfegruppe und Helferin in der Suppenküche. Der Gelegenheitsjobber Jeff hat zwei linke Hände und verliert einen Job nach dem nächsten. Der gerade aus dem Gefängnis entlassene Marc (Taher Rahim) avanciert vom Gast zum Geschäftsführer eines russischen Restaurants und sein Anwalt John Peter leidet darunter, dass er vor Gericht immer die Bösen raushaut.

All diese Lebensgeschichten verbindet Lone Scherfig, die hier seit langer Zeit mal wieder selber als Drehbuchautorin fungiert, auf fließend elegante Weise. Beiläufig klinkt sie sich in die verschiedenen Lebensgeschichten ein und verwebt sie sukzessive miteinander, über zufällige Begegnungen, die  zunehmend zu engeren Beziehungen wachsen. Im Zentrum stehen die völlig mittellose Clara und ihre beiden kleinen Jungs, die sich irgendwie durchschlagen müssen, und das auch sehr trickreich und erfinderisch tun. Am Anfang schutzlos der harschen Realität der Metropole New York ausgesetzt, entwickelt sich bald eine Solidaritätsgemeinschaft zwischen all diesen verschiedenen Menschen, die alle allein und vom Schicksal gebeutelt sind.

Politische Themen und gesellschaftliche Missstände

Zwischen der Luxuswelt der Wohlhabenden und Reichen auf der einen Seite und den Mittellosen auf der anderen herrscht eine große Kluft, doch bald werden die Missstände von einem fast märchenhaften Miteinander abgefedert. Politische Themen und gesellschaftliche Missstände werden auf sehr intime Weise geschildert. Wenn alle netter zueinander wären, dann wäre die Welt augenblicklich besser.

Ein beschwingter und nachdenklicher Auftakt

"The Kindness of Strangers" ist nicht der ganz große, wuchtige Knaller, aber doch ein beschwingter, sinnlicher und nachdenklicher Auftakt, würdig für ein Festival, das sich das Motto 'das Private ist politisch' gestellt hat. Eine berührende Geschichte, die trotzdem den Zustand der Welt spiegelt und gestern sowohl bei der Pressevorführung wie abends bei der feierlichen Eröffnung ganz beschwingt aufgenommen wurde.

Anke Sterneborg, kulturradio

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kulturradio-Motiv: Schnecke_Mund; Bild: rbb

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Szenenbild aus "Amazing Grace" von Alan Elliott (Quelle: Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC)
Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC

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