Berlinale 2019 | Varda par Agnès © Cine Tamaris 2018
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69. Berlinale | Wettbewerb - "Varda par Agnès"

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"Großmutter der Nouvelle Vague" wird sie auch genannt – die französische Filmemacherin und Künstlerin Agnès Varda.

Über 50 Filme hat sie seit Mitte der 1950er Jahre gedreht. Sie ist mit dem Europäischen Filmpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden, sie hat einen Ehren – Oscar und eine Ehren-Palme im Schrank – und  sie ist nun auch im Besitz einer Berlinale-Kamera.

Doch solche Auszeichnungen waren nicht der Antrieb für ihre lange und ereignisreiche Karriere. Das merkt man in einer Szene ihres Dokumentarfilms "Varda par Agnès", in der sie ihre gesammelten Trophäen wie Spielzeuge in einen Sandkasten stellt. "Inspiration, Kreativität und der Wunsch, zu teilen" – seien die Grundmotive ihrer Arbeit, sagt Varda ganz zu Anfang des Films. Dabei sitzt sie auf einer großen Opernbühne und blickt milde lächelnd auf ihr Publikum herab. Später sitzt sie dann mal am Strand, mal in einem Pariser Hinterhof oder auch mal auf einem Regiestuhl, der auf Schienen durch die Landschaft fährt – und spricht über das Filmemachen, während sie ihre Ausführungen mit Filmausschnitten und kleinen Interviews illustriert.

"Varda par Agnès" ist eine Art Regie-Masterclass: humorvoll, selbstironisch und sehr praxisorientiert. Eitle Selbstbeweihräucherung und abgehobene Theorien sind Varda fremd. Sie hat ganz bewusst neben erfolgreichen auch ein paar weniger erfolgreiche Filme ihrer Karriere ausgesucht. So spricht sie unter anderem über "Vogelfrei", über "Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7" und über "Pointe Courte", ihren allerersten Film aus dem Jahr 1954, der bis heute als stilprägender Film der Nouvelle Vague gilt. Es gibt aber auch Ausschnitte aus dem Film "Simon Cinema" - 1995 gedreht als Auftragswerk zum 100. Geburtstag des Kino mit riesigem Staraufgebot und anschließend komplett gefloppt.

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Agnès Varda spricht nicht nur über Film und zeigt Filmausschnitte, auch ihre Fotografie spielt eine Rolle und - in der zweiten Hälfte des Films - ihre Karriere als Installationskünstlerin, bei der sie sich noch einmal komplett neu erfunden hat. Nicht alles was Agnès Varda macht oder gemacht hat, ist genial. Manches ist auch einfach nur niedlich oder banal. Trotzdem hat sie bis heute ein ungeheuer feines Gespür für Timing, für Ästhetik und für Bilder. Was noch wichtiger ist: Sie hat eine große Liebe für die Menschen, die sie filmt. Auf der Pressekonferenz nach dem Film wird Agnès Varda gefragt, ob sie denn niemals müde sei, ob sie als große Menschenfreundin und Idealistin nie mit Depressionen zu kämpfen habe?  "Ich bin immer neugierig geblieben", sagt sie. "Das hat mich gerettet!"

Carsten Beyer, kulturradio

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kulturradio-Motiv: Schnecke_Mund; Bild: rbb

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Szenenbild aus "Amazing Grace" von Alan Elliott (Quelle: Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC)
Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC

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