Bild: Filmpromo/Trailer "Vice"
Filmpromo/Trailer "Vice"
Bild: Filmpromo/Trailer "Vice" Download (mp3, 5 MB)

69. Berlinale | Wettbewerb - "Vice"

Außer Konkurrenz läuft im diesjährigen Wettbewerb Adam McKays Film "Vice" über den ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney. Für die Hauptrolle unterzog sich Christian Bale einer bemerkenswerten Verwandlung.

"Vice" steht hier für den amerikanischen Vize-Präsidenten Dick Cheney, der von 2001 bis 2009 unter George W. Bush im Amt war. Unter einem schwachen Präsidenten hat er praktisch alle Zügel der Macht an sich gerissen und mit seiner Politik der Lügen und Vertuschungen den Boden für Trump bereitet. Adam McKay geht also ein paar Jahre zurück, um zu schauen wie es zur jetzigen Situation kommen konnte.

Brandgefährlicher Machtmensch

Ähnlich wie in "The Big Short", seiner bissigen Satire über die dunklen Geschäfte der Banker, arbeitet McKay auch hier mit allerlei formalen und inhaltlichen Gags, mal schiebt er die Politiker als Spielfiguren aus Pappe über den Tisch, mal lässt er schon nach gut der Hälfte des Films einen fingierten Abspann laufen oder legt den Eheleuten Cheney Shakespeare-Dialoge in den Mund. Dennoch ist der Tonfall spürbar ernster, und McKay und sein Team haben akribisch recherchiert und Fakten gesammelt, um dem Vize auf die Schliche zu kommen, der seine Spuren sorgsam verwischt hat.

Einerseits zeigt er den machthungrigen Politiker, zu dem sich Cheney nach einem eher armseligen Start, vor allem auf Druck seiner Frau Lynne (Amy Adams) entwickelte, ein brandgefährlicher Machtmensch, der das Amerika von heute wesentlich geprägt hat, durch seine Entscheidung für den Einmarsch in den Irak, für  kontroverse Anti-Terrormaßnahmen und undurchsichtige wirtschaftliche Verbindungen. Andererseits zeigt er Cheney aber auch als liebevollen Familienmenschen, der zuhause für Frau und Kinder kocht, und alle politischen Ambitionen für das Wohl seiner lesbischen Tochter zurücksteckt, zumindest eine Weile lang.

Gespenstische Einblicke

Der Film ist für acht Oscars nominiert, darunter auch Christian Bale als bester Hauptdarsteller, der hier nach "The Big Short" bereist zum zweiten Mal mit dem Regisseur zusammenarbeitet. Er ist berühmt dafür, sich für seine Rollen körperlich extrem zu verausgaben, wahlweise bis auf die Knochen herunter zu hungern, oder wie hier viel Speck anzufressen. Unter einer markante Halbglatze und aufwendiger Maske ist er als Schauspieler kaum zu erkennen. Aber auch die Nebenrollen sind eindrucksvoll besetzt, unter anderem mit Sam Rockwell als George W. Bush Jr. und Steve Carell als Donald Rumsfeld.

Gerade für europäische Zuschauer bietet der Film gespenstische Einblicke in die Machtstrukturen und Mechanismen der amerikanischen Politik. Christian Bale, der schon viele finstere Charaktere gespielt, oder besser verkörpert hat, hat bei der Pressekonferenz eingeräumt, dass Cheney der furchterregendste von allen gewesen sei.

Anke Sterneborg, kulturradio

weitere rezensionen

kulturradio-Motiv: Schnecke_Mund; Bild: rbb

69. Berlinale | Wettbewerb - "Marighella"

"Marighella" ist das Regiedebüt des Schauspielers Wagner Moura, der vor zwölf Jahren als Darsteller zur Berlinale kam, in dem mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten Film "Tropa de Elite". Darüberhinaus ist er auch aus der Fernsehserie "Narcos" bekannt, in der er den berüchtigten Drogenboss Pablo Escobar spielt.

Bewertung:
Szenenbild aus "Amazing Grace" von Alan Elliott (Quelle: Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC)
Berlinale/Amazing Grace Movie, LLC

69. Berlinale | Wettbewerb - "Amazing Grace"

Das Publikum in der New Temple Missionary Baptist Church ist eine Sensation – nicht umsonst wollte Aretha Franklin ihre Platte genau dort aufnehmen. "Amazing Grace" wird zum Meilenstein ihrer Karriere. Jetzt, fast 50 Jahre später, kommt Sydney Pollacks Film in die Kinos. Zum Glück!  

Bewertung: