Die Goldfische © Jürgen Olczyk / Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG
Jürgen Olczyk / Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG
Bild: Jürgen Olczyk / Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG Download (mp3, 4 MB)

Krimi-Komödie - "Die Goldfische"

Bewertung:

Das Schwarzgeld muss vom Nummernkonto. Im Debütfilm des deutsch-iranischen Regisseurs Alireza Golafshan lädt der querschnittsgelähmte Portfolio-Manager Oliver eine Gruppe Behinderter zum Ausflug in die Schweiz ein, um sein Geld zu retten.

Banker Oliver (Tom Schilling) führt ein Leben auf der Überholspur: Schicker Wagen, schicke Freundin, Nummernkonto in der Schweiz. Eines Tage aber – auf dem Weg zu einem Meeting – verursacht er einen schweren Unfall und findet sich anschließend querschnittsgelähmt im Rollstuhl wieder.

Ein Jungmanager in der Reha-Klinik, das kann nicht gut gehen: Fischbuletten statt japanischer Gourmet-Küche, Gespräche mit Leuten, die das Wort Portfolio noch nie gehört haben – und dann gibt es in dem Laden noch nicht mal ordentliches WLAN! Als ob das alles nicht schlimm genug wäre, meldet sich auch noch seine Schweizer Bank: Oliver möge bitte dringend eine Million Euro Schwarzgeld von seinem Nummernkonto abholen, denn es droht Besuch vom der Steuerfahndung.

Die Goldfische © Jürgen Olczyk / Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG
Bild: Jürgen Olczyk / Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG

Kann man einen Rollstuhlfahrer ins Zentrum einer Komödie stellen?

Diese Frage wurde spätestens mit "Ziemlich beste Freunde" positiv beantwortet. Seit dem französischen Überraschungserfolg aus dem Jahre 2011 mehren sich im Kino die Filme, in denen Menschen mit Behinderungen Hauptrollen spielen – so jetzt auch in "Die Goldfische", dem Debütfilm des deutsch-iranischen Regisseurs Alireza Golafshan. Golafshan hat seiner Geschichte einen romantischen Twist verpasst –  in Person von Laura (Jella Haase), Sozialpädagogin und Leiterin der Wohngruppe "Die Goldfische".

Laura ist voller guter Ideen und voller Mitgefühl für ihre Schützlinge – eigentlich genau der Typ Mensch, für den Oliver normalerweise nur Verachtung übrig hätte. Trotzdem kommen sich die Beiden näher, denn der smarte Banker hat auf einmal eine Idee, wie er das Geld auf seinem Schweizer Nummernkonto retten könnte. Er lädt die Goldfisch-Gruppe zu einem Ausflug in die Schweiz ein. Schließlich: Welcher Zöllner kontrolliert schon einen Bus mit lauter Behinderten?

Die Goldfische © Jürgen Olczyk / Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG
Bild: Jürgen Olczyk / Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG

Streckenweise durchaus lustig

Auch wenn der Film zunächst etwas schwer in die Gänge kommt und die Hauptfiguren unter ihren Klischees zu ersticken drohen, mit zunehmender Dauer nimmt die Handlung Fahrt auf. Das liegt vor allem an den "Goldfischen".

Die Truppe um die blinde Zynikerin Magda (Birgit Minichmayr), die beiden Autisten "Rainman" (Axel Stein) und Michi (Jan Henrik Stahlberg) sowie die lebensfrohe Franzi (Luisa Wöllisch) mit Down-Syndrom findet nämlich zunehmend Gefallen an dem Ausflug – eine  Dynamik, die Oliver, Laura und den mürrischen Pfleger Eddy (Kida Khodr Ramadan) ein ums andere Mal in Verzweiflung stürzt.

Die Goldfische © Jürgen Olczyk / Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG
Bild: Jürgen Olczyk / Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG

Die Goldfische ist eine romantic Comedy vermischt mit einem Krimi- Plot – nicht immer politisch korrekt, aber streckenweise durchaus lustig. Wenn Alireza Golafshan im nächsten Film das eine oder andere Klischee weglässt und sich stattdessen stärker auf seine Figuren konzentriert, werden seine Geschichten bestimmt noch stärker!

Carsten Beyer, kulturradio

weitere rezensionen

Samal Yeslyamova in "Ayka" (2018)
© Neue Visionen Filmverleih

Drama - "Ayka"

Ayka, eine Kirgisin, ist in die russische Hauptstadt gezogen, um hier ihren Traum von einem besseren und vor allem selbstbestimmten Leben zu verwirklichen. Doch statt des ersehnten Paradieses findet sie die reine Hölle.

Bewertung:
"Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit"
DCM

Drama - Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit

Kein Maler wurde so umfassend gewürdigt, wie Vincent van Gogh, im Fernsehen und im Kino, in Dokumentationen und Spielfilmen. Genie und Wahn, das abgeschnittene Ohr, der Selbstmord vor der Staffelei und der posthume Ruhm mit Bildern, die heute astronomische Beträge in zweistelliger Millionenhöhe einbringen, das alles ist großes Kino. Jetzt legt der berühmte Künstler und Filmregisseur Julian Schnabel nach, mit "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit", mit dem schon viermal für den Oscar nominierten Willem Dafoe in der Titelrolle.

Bewertung:
Border: Eva Melander
Wild Bunch Germany

Drama - "Border"

Die 40jährige Tina arbeitet beim schwedischen Zoll und hat zwei Besonderheiten: ihr Gesicht ist deformiert und sie kann Gefühle riechen und dadurch zum Beispiel nervöse Schmuggler entdecken. Auf dieser ungewöhnlichen Basis hat der Filmemacher Ali Abbasi einen Film über das Anderssein gedreht, angesiedelt zwischen Drama, Fantasy und Thriller.

Bewertung: