Bert Trautmann (David Kross) © SquareOne Entertainment
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Drama, Biografie - "Trautmann"

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Es geht - um Fußball. Um den deutschen Torwart Bernd Trautmann. Eine starke Geschichte, die einen weniger konventionellen, einen mutigeren Film verdient hätte.

"Das Wunder von Bert" überschreibt der SPIEGEL einen Artikel über Marcus H. Rosenmüllers neuen Film TRAUTMANN. Und macht mit dieser Assoziation an das WUNDER VON BERN gleich klar, worum es bei TRAUTMANN geht: um Fußball. 

Doch der Krieg ist gerade erst vorüber

Während man den Regisseur mit seinen bayrischen "Heimatfilmen" wie WER FRÜHER STIRBT, IST LÄNGER TOT in Verbindung bringt, wird sich wohl nicht jeder an den deutschen Torwart Bernd Trautmann erinnern.

Trautmann wurde 1923 in Bremen geboren, meldet sich im Zweiten Weltkrieg 1940 erst freiwillig zur Luftwaffe, dann bei den Fallschirmjägern. Kurz vor Kriegsende, im März 1945, gerät er dann in britische Kriegsgefangenschaft und – so erzählt es der Film - erträgt hier stoisch die Drangsal des Arbeitslagers.

Doch Trautmann hat Glück. Als er einmal nach dem Latrinenputzen mit anderen Soldaten kickt, beobachtet ihn der Lebensmittellieferant des Lagers, der nebenbei einen kleinen Fußballclub managt. Einen Club, dem ein Torwart fehlt. Er leiht sich Trautmann aus und dank dessen Einsatz gewinnt man das Spiel. Für Trautmann ist dieser Einsatz der Grundstein einer Riesenkarriere. Doch ist er eben nicht nur ein begnadeter Keeper, er ist auch Deutscher. Und der Krieg ist gerade erst vorüber.

Trautmann wird in England nicht gewollt. Er gilt als Nazi. Als Manchester City ihm 1949 das Angebot macht, im Tor zu stehen, bricht ein Sturm der Entrüstung los, viele Mitglieder treten aus, eine Pressekonferenz wird einberufen, Trautmann muss sich stellen – Fragen nach seinem "Eisernen Kreuz" und zu seiner Vergangenheit beantworten. Sein Standardsatz lautet "Ich hatte keine Wahl".

Ein aufrechter Unpolitischer

Rosenmüller zeigt Trautmann als einen aufrechten Unpolitischen, der wohl mit sich und seinen Kriegserlebnissen hadert, aber sich nicht auseinandersetzt. Und diese Auseinandersetzung fehlt auch dem Film.

Rosenmüller hat Trautmann vor seinem Tod im Jahr 2013 noch besucht, eine Woche mit ihm verbracht und sagt, all das, was der Film zeige, habe Trautmann bei diesem Treffen so oder so ähnlich erzählt. Sein Blick auf seinen Protagonisten ist also von großer Sympathie getragen.

Für ihn steht Trautmanns Biographie dafür, dass Verzeihen und Versöhnung möglich sind, dass Fußball nicht nur Fußball ist. Unvergessen ist das Spiel im Londoner Wembley-Stadion 1956, als Trautmann sich 20 Minuten vor Spielende das Genick bricht und trotzdem weiterspielt. Spätestens durch dieses Ereignis wurde aus Bernd Trautmann, dem Feind, Bert: ein Freund und Held. Bis heute.

Eine starke Geschichte - ein konventioneller Film

David Kross – bekannt vor allem aus Detlev Buck-Filmen und DER VORLESER - verkörpert ihn mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Schüchternheit. An seiner Seite tolle britische Kollegen wie die schottische Newcomerin Freya Mavor, John Henshaw oder Dave Johns, der zuletzt in I, DANIEL BLAKE von Ken Loach glänzte.

Es macht Sinn – gerade in Zeiten zunehmender Fremdenfeindlichkeit -, die Geschichte von Bernd Trautmann noch einmal zu erzählen. Es ist eine starke Geschichte. Sie steht für sich und hätte einen weniger konventionellen, einen mutigeren Film verdient.

Christine Deggau, kulturradio

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