Barbara Auer in "Vakuum"
Bild: RealFiction

Nach einer wahren Geschichte - "Vakuum"

Bewertung:

"Vakuum" ist ein ebenso leises wie eindringliches und sehr berührendes Psychogramm einer 35-jährigen Ehe.

In ihrem ersten Spielfilm "Silberwald" hat die Schweizerin Christine Repond von einem gewalttätigen Coming of Age junger Männer im neonazistischen Milieu erzählt. In ihrem nächsten Spielfilm "Vakuum" beschäftigt sie sich mit Menschen am anderen Ende des Altersspektrums, mit einem Ehepaar, das seit 35 Jahren verheiratet ist.

Wie viel Schmerz hält eine Beziehung aus?

Zunächst wirkt die Ehe zwischen der deutschen Meredith und dem Schweizer Architekten André ausgesprochen harmonisch, innig und sinnlich. Das Paar bereitet eine große Feier mit Familie und Freunde, anlässlich ihres 35. Hochzeitstages vor, als Meredith (Barbara Auer) durch einen Anruf mit einem Schlag alle Gewissheiten ihres bisherigen Lebens verliert.

Sie ist HIV positiv, und kann sich nur bei ihrem offenbar fremdgehenden Mann angesteckt haben. Dieses Wissen entwickelt ungeheure Sprengkraft, Meredith muss ihr ganzes Leben neu justieren, mit der Krankheit, mit dem Stigma, das sie in der Öffentlichkeit immer noch hat, mit den Nebenwirkungen der Medikamente. Und auch mit ihrem Mann, auf den sie unbändig wütend ist, den sie aus dem gemeinsamen Haus wirft, den sie dann aber auch bald vermisst.

Ausgehend von einem realen Fall, erforscht Christine Repond Fragen, wie: "Wie viel Schmerz hält eine Beziehung aus?", "Können zwei Menschen, die mehr als die Hälfte ihres Lebens gemeinsam verbracht haben, sich wieder vereinzeln, oder bleiben sie für immer Bruchstücke eines ehemals Ganzen?"

"Vakuum": Christine Repond (Regie) und Barbara Auer; © Heike Blenk
Christine Repond und Barbara AuerBild: Heike Blenk

Wohldosiertes Understatement

In ähnlicher Weise wie zuvor in ihren Dokumentationen "Nicht das Leben", "Freitags um 3" und "Polster Willi" erforscht die Regisseurin Lebenssituationen und wie sie sich durch äußere Einflüsse verändern. Dieses dokumentarische Gespür schlägt nun auch in diesem Spielfilm durch, in der Genauigkeit der Beobachtung, in der Geduld mit der sie den Ereignissen ihren Lauf lässt.

Gleichzeitig wirkt der Film aber auch sehr konzentriert und abgezirkelt, in kaltes, stahlgraues Licht getaucht. Das durchgestylte, moderne Architektenhaus wandelt sich von einem Schutzraum der Beziehung in ein Gefängnis, für Meredith, die unter der Einsamkeit darin leidet.

Bei aller Intimität wahrt die Regisseurin auch diskrete Distanz und gewährt den Schauspielern viel Luft und Raum, um in feinsten Nuancen naturalistisch zu agieren. Von einem Moment zum nächsten lösen sich alle Gewissheiten ihrer in vielen Jahren gewachsenen Beziehung auf. Das ganze Fundament aus Vertrauen, Zuneigung und Verbundenheit bekommt Risse, die sich in wohldosiertem Understatement in ihrem Gesicht abzeichnen. 

Psychogramm einer Ehe

Zu diesem Spiel gehören auch rückhaltlos intime Szenen, die nicht den gängigen Perfektionsmaßständen des Kinos entsprechen. Meredith ist eine schöne Frau, gerade weil sie nicht unwirklich perfekt ist. Das gilt auch für den Schweizer Schauspieler Robert Hunger-Bühler, der hier naturgemäß die undankbarere Rolle hat. Alles in allem ist "Vakuum" ein ebenso leises wie eindringliches und sehr berührendes Psychogramm einer Ehe.

Anke Sterneborg , kulturradio

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