"Arthurs Gesetz"
Bild: Eye See Movies | AV Visionen

DVD-Tipp - "Arthurs Gesetz" - Eine Fernsehserie von Christian Zübert

Bewertung:

Es ist noch gar nicht so lange her, dass deutsche Fernsehserien vor allem "Traumschiff", "Lindenstraße" oder "Schwarzwaldklinik" hießen. Ein bisschen böse durften da nur die Verbrecher sein, denen auf den Sendeplätzen von Tatort, Polizeiruf oder Kriminaldauerdienst dann aber auch ganz schnell von deutschen Ermittlern das Handwerk gelegt wurde.  

Doch seit einigen Jahren regt sich etwas, immer mehr interessante Serien gibt es mit Helden die nicht schwarz oder weiß, nicht eindeutig böse oder gut sind. Dazu gehören nun auch Arthur Ahnepol und seine Frau Martha, gespielt von Jan Josef Liefers und Martina Gedeck in der TNT Comedy Serie "Arthurs Gesetz".

Arthur Ahnepol steckt fest, in einem unerquicklichen Leben, im tristen Einfamilienhaus, im trostlosen fiktiven Provinzkaff Biddenbach, an der Seite seiner ewig nörgelnden Frau, die ihn schon morgens mit dem unangenehmen Geräusch der Brotschneidemaschine und ihrer keifenden Stimme aus dem Schlaf reißt. Mit Balkensträhnchen im auftoupierten Haarnest, blauem Lidschatten und hellrosa Lippenstift wirft sich Martina Gedeck rückhaltlos in die Rolle des Hausdrachens. Selbst die Freundlichkeiten zum 50sten Geburtstag ihres Mannes sind vergiftet, sein zaghafter Vorstoß zu einer gemeinsamen Festtags-Unternehmung wird mit einer Kaskade von Vorwürfen abgewürgt: "Artur, es gibt wichtigere Dinge, die gemacht werden müssten, das Dach im Schlafzimmer, die undichten Fenster wollest du schon längst erledigt haben. Ich hol mir hier noch den Tod, willst du das?"

Trostlosigkeit

In wenigen Strichen ist die ganze Trostlosigkeit dieses kleinen Lebens skizziert. Die provinzielle Enge des Einfamilienhäuschens mit Stehlämpchen und Blümchentapete. Die freudlose Ehe mit einer kaufsüchtigen Frau, auf der Jagd nach Saug-, Fensterputz- und Massagerobotern. Die unförmige, ungelenke Billigarmprothese, die Arthur trägt, seit seine Frau ihn zum Versicherungsbetrug mit einem vorgetäuschten Arbeitsunfall angestachelt hat. Auch Geburtstage sind nicht mehr das, was sie mal waren: Als Geschenk gibt es ein gerahmtes Foto des Paares, offenbar nicht zum ersten Mal: "ahhh - das Beste hast du mal wieder nicht gesehen, du denkst auch noch, du kriegst von deiner einfallslosen Frau jedes Jahr das Gleiche, seh’ ich doch, muss man sich auch nicht so viel Mühe geben um dir was Besonderes zu schenken (Lichtorgel) whoahh - jahahaha -toll - ja und du hättest das nicht mal entdeckt..."

Die Tücke steckt in jedem beiläufig dahingeworfenen Satz und in den liebevollen Ausstattungsdetails der Wohnungen, Büros und Kneipen, die in trügerisch gemütliches Licht getaucht und von lakonischen Klängen umspült sind. Notgedrungen radelt Arthur dann an seinem Geburtstag durchs flache grüne Land ins Dorf, zum Jobcenter, wo auch die Büroangestellte genervt ist, dass sie ihr Telefonat mit einer Freundin unterbrechen muss: "Du, ich muss mal aufhören, ist gerade wieder jemand reingekommen, weißte ja, die mit der meisten Freizeit haben es immer am eiligsten ... ick meld mich später noch mal .... Name? Ahnepol Artur. Geburtstag? Heute. Also der 17. Oktober - vor sechzig Jahren? Vor fünfzig!"

Absurde Todesfälle

Kein Wunder, dass Arthur danach Trost sucht, in der gegenüberliegenden Kneipe "Zum Kronleuchter", bei einem Bierchen und einer wildfremden, jungen Frau, die ihn zum Geburtstag wenigstens mal innig in den Arm nimmt und ihm ein Karaoke-Ständchen singt. Natürlich haben Umwege in filmischen Erzählungen immer ihre Tücken. Auch hier nehmen die unglückseligen Ereignisse ihren bösen Lauf. In seiner Naivität ahnt Arthur nicht, dass die junge Frau für ihre Freundlichkeiten bezahlt werden will, und weil er nur zehn Euro in der Tasche hat, steht bald ihr grobschlächtiger Zuhälter im biederen Plüsch-Kunstleder-Einfamilienhäuschen. In Ermangelung anderer Möglichkeiten der Selbstverteidigung kommt eine Dose Bauschaum zum Einsatz, deren Inhalt sich einen Weg durch den Körper, die Ohren, den Mund und die Nasenlöcher des wild um sich schießenden Mannes bahnt. Und das ist nur der erste einer ganzen Reihe absurder Todesfälle, denen aberwitzig aussichtslose Vertuschungsversuche folgen. Glücklicherweise kann Marthas Zwillingsschwester Muriel als Polizistin der lokalen Polizeiwache die Ermittlungen beeinflussen. "Wenn ich die Polizei hätte hier haben wollen, hätte ich die 110 gewählt, ich hab aber dich angerufen." -  "Ich bin die Polizei." – "Du bist erst mal meine Schwester!"

Schwarzer Humor

Hier das einfältige Paar, dort die rücksichtslosen Verbrecher: Aus der Reibung zwischen diesen Kontrasten schlägt die Serie komödiantisch böse Funken. Dabei ist die schwarzhumorige Absurdität der Ereignisse glaubhaft und amüsant in der deutschen Provinz- und Bürokratie-Piefigkeit verwurzelt. Ihre besondere Kraft aber zieht die Serie unter der Regie von Christian Zübert aus großartigen Darstellern wie Jan Josef Liefers als arglos naiver Ehemann, Martina Gedeck in einer Zwillingsschwester-Doppelrolle und Nora Tschirner als prollig genervte Jobcenter–Angestellte. Ihre spürbare Lust an der Übertreibung wird von wohldosiertem Understatement aufgefangen, während sie fröhlich Arthurs Variante von Murphy’s Law durchdeklinieren, demzufolge alles schief geht, was nur schief gehen kann.

Die sechs Folgen der Comedy Noir Serie "Arthurs Gesetz" sind bei eye see movies auf 2 Bildträgern mit Booklet und Spaß Bonus Materialien erschienen und kosten als DVD rund 18 und auf Blu-ray rund 20 Euro.

Anke Sterneborg, kulturradio

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