Samal Yeslyamova in "Ayka" (2018)
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Drama - "Ayka"

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Ayka, eine Kirgisin, ist in die russische Hauptstadt gezogen, um hier ihren Traum von einem besseren und vor allem selbstbestimmten Leben zu verwirklichen. Doch statt des ersehnten Paradieses findet sie die reine Hölle.

Ayka (Samal Yeslyamova) ist eine Kirgisin in Moskau. Wie viele Frauen aus Zentralasien hat sie sich Geld geliehen und ist in die russische Hauptstadt gezogen, um hier ihren Traum von einem besseren und vor allem selbstbestimmten Leben zu verwirklichen. Ein Job als Näherin, ein netter Mann, vielleicht sogar ein eigener Laden, das sind ihre Träume…

Doch statt des ersehnten Paradieses findet Ayka die reine Hölle. Sie haust in einem Elendsquartier, ist ständig auf der Flucht vor ihren Gläubigern und vor der Ausländerpolizei. Nach einer Vergewaltigung bringt die junge Frau ein Kind zur Welt, für das sie nicht sorgen kann und das sie gleich nach der Geburt im Krankenhaus zurücklässt. Im Grunde ist Aykas Dasein in Moskau ein ständiger Überlebenskampf – eine Jagd nach Geld, nach etwas zu Essen und nach einem Ort, wo sie sich von den Strapazen der Geburt erholen könnte. 

Die russische Hauptstadt als düsteren, hässlichen Ort

Das Filmfestival in Cottbus ist seit seiner Gründung im Jahr 1991 zu einem wichtigen Schaufenster für den osteuropäischen Film geworden. Wer hier gewinnt, hat auch auf dem internationalen Markt gute Chancen. Das zeigt nun auch der zweite Film des kasachischen Regisseurs Sergey Dvortsevoy. Der Film schaffte es nicht nur auf die Auswahlliste für den Auslands-Oscar, seine Hauptdarstellerin Samal Yeslyamova gewann beim Festival in Cannes sogar die Silberne Palme.

Dvortsevoy zeigt die russische Hauptstadt als düsteren, hässlichen Ort. Es ist eng, überall sind Menschen und Autos. Der Himmel hängt tief und Ayka hetzt wie ein gejagtes Tier durch die Straßen, während ein gewaltiger Schneesturm den Eindruck einer Apokalypse noch verstärkt.

Rassismus in der russischen Gesellschaft

Dvortsevoys Kamera- Frau Jolanta Dylewska hat die meisten Szenen mit einer Handkamera gedreht. Die Bilder wackeln wie in einem dänischen Dogma- Film; dazu liefert der Ton eine Kakophonie aus Verkehrslärm, Menschenstimmen und dem omnipräsenten Handyklingeln, das Ayka an die Gläubiger erinnert, die ihr permanent auf den Fersen sind.

"Ayka 2 ist eine fundamentale Kritik an der russischen Gesellschaft von heute: Der Wandel von der kommunistischen in die kapitalistische Gesellschaft hat zu massiven Umstrukturierungen geführt, unter denen vor allem die Ärmsten der Armen zu leiden haben.

Dvortsevoys Film zeigt aber auch ganz offen den Rassismus in der russischen Gesellschaft: Die Einwanderer aus den zentralasiatischen Republiken sind für viele Russen nur Menschen zweiter Klasse: Die Polizei behandelt sie wie Freiwild. Betrügerische Vermieter und Kredithaie beuten sie aus und für die Angehörigen der russischen Oberschicht sind sie gar nicht existent. 

Nicht schön anzusehen, aber sehr ehrlich

"Ayka" ist nicht schön anzusehen, aber sehr ehrlich - und der Film vermittelt einen guten Eindruck davon, wie es hinter der Fassade des neuen Moskauer Glamour zugeht.

Carsten Beyer, kulturradio

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