Border: Eva Melander
Bild: Wild Bunch Germany

Drama - "Border"

Bewertung:

Die 40jährige Tina arbeitet beim schwedischen Zoll und hat zwei Besonderheiten: ihr Gesicht ist deformiert und sie kann Gefühle riechen und dadurch zum Beispiel nervöse Schmuggler entdecken. Auf dieser ungewöhnlichen Basis hat der Filmemacher Ali Abbasi einen Film über das Anderssein gedreht, angesiedelt zwischen Drama, Fantasy und Thriller.

Vor drei Jahren lief auf der Berlinale im Panorama der erste Spielfilm des iranisch schwedischen Regisseurs Ali Abbasi, ein finsteres Horrormärchen über ein im Wald lebendes Ehepaar und ihr Kindermädchen, das sich bereiterklärte, als Leihmutter deren Baby auszutragen, ein Baby, das bald zur animalischen Bedrohung im Körper des jungen Mädchens wurde. Diese Verbindung von animalischen Instinkten und gesellschaftlich virulenten Themen  spinnt der Regisseur nun auch in seinem zweiten Film weiter die in Cannes in der Reihe Un Certain regard für einiges Aufsehen sorgte.

Grenzen

Auf Grenzen spielt der Titel in vielfacher Weise an, angefangen mit der Landesgrenze zwischen Schweden und Finnland, an der Anlegestelle der Fähre. Tina (Eva Melander) arbeitet dort als Grenzbeamtin und nimmt mit ihrem besonderen Gespür die Witterung der Menschen auf, die etwas Unerlaubtes ins Land schmuggeln, seien es ein paar Flaschen Alkohol oder Kinderpornos auf einem USB Stick. Aber auch sonst reagiert Tina sehr instinktiv und direkt auf ihre Umgebung, ob sie einen Käfer ins Visier nimmt, barfuß über den Waldboden läuft, mit leicht geblähten Nasenflügeln Fährten aufnimmt oder umgekehrt – auch die Tiere reagieren ganz intensiv auf sie.

Schon rein äußerlich sieht Tina anders aus, mit einem recht grobschlächtigen Gesicht, starkem Überbiss, großer Nase, breiter, vorgewölbter Stirn, wässrigen Augen, strähnigen Haaren und einem unförmig stämmigen Körper erinnert sie ein bisschen an einen Neandertaler. Eines Tages taucht an der Grenze ein Mann auf, der ganz ähnlich aussieht wie sie, Vore, und damit beginnt eine etwas andere Liebesgeschichte, in der es auf andere Weise und Grenzen geht, um Abgrenzung und Ausgrenzung.

Border: Eero Milonoff, Eva Melander
Bild: Metropolitan FilmExport

Probleme der Gesellschaft

Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von John Ajvide Lindquist, einem schwedischen Schriftsteller, der mit etwas anderen Horrorgeschichten, wie "So finster die Nacht" bekannt geworden ist, in denen er klassischen Konstellationen und Motiven einen modernen Twist gibt. Auch hier verbindet er klassische Genre-Motive mit modernen Problemen der Gesellschaft. Auch Tina und Vore sind in gewisser Weise Flüchtlinge, die am Rande der Gesellschaft leben. Während Tina sich damit arrangiert hat, stiftet Vore zum Widerstand an, wobei auch das seltsame Geschöpf eine Rolle spielt, das er im Kühlschrank in einer Kiste aufbewahrt.

Realistisch erzähltes Horrormärchen

Ali Abbasi erzählt mit ganz einfachen, geradlinigen Bildern vom besonderen Verhältnis, das Tina und Vore zur Natur und ihren Geschöpfen haben. Völlig ohne Schockeffekte schürt er eine unterschwellig bedrohliche, geheimnisvolle Stimmung, allein durch die Konzentration auf die Geräusche der Welt und eine Musik, die diese leicht verrückte, seltsame Stimmung verstärkt. Das ist ein sehr realistisch erzähltes Horrormärchen.

Der Film war für den Oscar für das beste Maskenbild nominiert, lässt das aufwendige prothetische Makeup aber leicht, in diesem ausgesprochen realistisch erzählten Horrormärchen, das den Zuschauer bei seinen Vorurteilen packt.

Anke Sterneborg, kulturradio

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