"Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit"
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Drama - Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit

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Kein Maler wurde so umfassend gewürdigt, wie Vincent van Gogh, im Fernsehen und im Kino, in Dokumentationen und Spielfilmen. Genie und Wahn, das abgeschnittene Ohr, der Selbstmord vor der Staffelei und der posthume Ruhm mit Bildern, die heute astronomische Beträge in zweistelliger Millionenhöhe einbringen, das alles ist großes Kino. Jetzt legt der berühmte Künstler und Filmregisseur Julian Schnabel nach, mit "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit", mit dem schon viermal für den Oscar nominierten Willem Dafoe in der Titelrolle.

Zum ersten Mal wird die Lebensgeschichte van Goghs von einem Künstler, von einem Maler erzählt, der naturgemäß mit einer ganz anderen Sensibilität herangeht. In gewisser Weise überlagern sich die beiden Künstler, weil Schnabel den Kollegen in auch dazu benutzt, um über das Wesen der Kunst nachzudenken, das Verhältnis von Realität und Kunst, um künstlerische Integrität und die Abhängigkeit vom Markt. Zeitlich klinkt sich Schnabel in den letzten zwei Jahren von van Goghs Leben ein, kurz bevor er Paris verlässt und aufs Land zieht. Mehr als die konkreten Abläufe interessiert ihn dabei das Lebensgefühl des Künstlers, es geht um die Arbeit in der Landschaft, es gibt viele Gespräche, mit dem Bruder, mit Künstlerkollegen wie Paul Gauguin (Oscar Isaac), mit dem er eine Zeit lang zusammengelebt und gearbeitet hat, dazu Gespräche mit Modellen, mit Ärzten und einem Priester (Mads Mikkelsen). Aus all diesen ganz unterschiedlichen Begegnungen entsteht ein komplexes Puzzle dieses Lebens.

In der Haut van Goghs

Statt die Koordinaten eines Biopics abzuarbeiten, ermöglicht Schnabel dem Zuschauer, für die Dauer seines Films quasi in der Haut van Goghs zu stecken, ganz konkret in seinen Schuhen zu laufen, mit seinen Augen zu sehen: Immer wieder mal zog der Kameramann die Hosen und Schuhe van Goghs an und filmte an sich selbst herunter die eigenen Füße und Beine, die durch Weizenfelder laufen. Mittels einer Linse mit unterschiedlichen Tiefenschärfenbereichen wird der unterste Bildstreifen im Blick van Goghs leicht unscharf, so wie man in Wirklichkeit ja auch nicht jeden Teil des Bildausschnitts so gestochen scharf wie in einem Foto sieht.

Überhaupt bilden Kameraarbeit und Schauspiel eine ganz besondere, sinnliche Symbiose, die dazu führt, dass man ganz unmittelbar in die Wahrnehmung van Goghs eintaucht. Auch der Crux von Künstlerfilmen, in denen der Akt des Malens im überexpressiven Spiel der Schauspieler oft lächerlich anmutet, entgeht Schnabel. Er hat seinen langjährigen Freund Willem Dafoe in die Künstlerlehre, in eine Schule des Sehens genommen und ihm Phase für Phase den Prozess des Malens und das Hantieren mit Pinsel, Palette und Staffelei beigebracht, so dass es vor der Kamera völlig glaubwürdig und natürlich aussieht.

"Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit"
Bild: DCM

Empfehlenswerter Künstlerfilm

Seit der Film auf dem Festival in Venedig Premiere feierte, hat Willem Dafoe jede Menge Nominierungen und Preise für seine Leistung als Darsteller der Titelrolle bekommen. Obwohl er mit 63 Jahren schon deutlich älter ist, als van Gogh je wurde, ist er die Idealbesetzung, die man sich unbedingt im Original anschauen sollte, das im Vergleich mit der Synchronisation sehr viel seelenvoller klingt. Alles in allem ein unbedingt empfehlenswerter Künstlerfilm, nicht nur für leidenschaftliche Fans van Goghs, sondern für jeden, der sich für Kunst interessiert.

"Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" läuft am Donnerstag in unseren Kinos an, im Original unter anderem im Cinestar am Potsdamer Platz.

Anke Sterneborg, kulturradio

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