St. Bart Pub; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Geschmackssache - "St. Bart Pub"

Bewertung:

Das Kreuzberger Lokal bietet zu Wein und Cocktails deutsche und englische Spezialitäten, die nur hartgesottene Geschmacksnerven ansprechen dürften.

Auf der Beliebtheitsskala der internationalen Berliner Restaurantszene spielt die traditionelle deutsche oder gar englische Küche keine besonders große Rolle. Oft landen Touristen auf der Suche nach deutscher Küche eher bei Österreichern, und Restaurants mit englischen Spezialitäten gibt es nicht gerade viele.

Umso überraschender ist es, dass ein neues Lokal in Kreuzberg ausgerechnet deutsche und englische Spezialitäten anbietet. Auf der Karte stehen kleine und größere Gerichte: einige klingen traditionell, andere eher modern. Gemeinsam haben sie, dass man sie als ausgeprägt "herzhaft" bezeichnen könnte:  Räucheraal mit Meerrettich, Makrelen mit Zitrone, Himmel und Erde, das hier in seinen Grundzutaten dekonstruiert wird: als  Kartoffelauflauf mit geschmorten Zwiebel und zwei Blutwurstscheiben dazu, auf fünf Apfelspalten angerichtet.

Verbrannt, sauer und zu stark gepfeffert

Für die englische Küche stehen Bacon Sandwich, mit Bacon aus der Lende, serviert mit einer Pflaumensauce, und ein Fingerfood-Klassiker wie Scotch Eggs, weichgekochte Eier, in gewürztes Hackfleisch gewickelt, paniert und kross frittiert. Bemerkenswert war, dass das Eigelb noch etwas flüssig-cremig war, was nicht so einfach hinzukriegen ist. Dafür war die Panade ölig und sehr dunkel gebraten und das Hackfleisch etwas spröde gewürzt.

Bei fast allen Gerichten, bei der Blutwurst von Himmel und Erde so wie bei den Gemüsegerichten, überragte der Pfeffer alles. Auch war einiges so scharf gebraten, dass nicht etwa Röstaromen zu schmecken waren, sondern schlicht Verkohltes. Ob das typisch deutsch oder typisch englisch sein soll, sei dahingestellt. Außerdem waren Beilagen und Saucen , wie z.B. die Blumenkohl-Pickles oder die Zitronensauce für die frittierten Broccoli so dermaßen sauer, als seien die Gerichte für's Katerfrühstück gedacht, um die betäubten Geschmacksnerven aufzurütteln. Wobei es fraglich ist, ob es beim stolzen Preis von 8,00 Euro für ein Glas Weißwein (Sancerre, 0,1) überhaupt zum Kater kommen kann! 

St. Bart Pub; © Elisabetta Gaddoni
© Elisabetta Gaddoni | Bild: Elisabetta Gaddoni

Doch lieber Pub

Dafür liegen die Speisen preislich im Durschnitt. Dennoch vermittelt die Speisekarte den Eindruck, man wolle hier eine moderne, vielleicht schnörkellose, aber doch besondere Küche anbieten. Dafür stehen auch die modischen lapidaren Angaben der Zutaten: Makrele-Zitrone, verbrannter Topinambour-Aioli, usw. …

Als der Wirt ankündigte, die Ährenfische habe er aus der Karte genommen, weil die Qualität seinen Ansprüchen nicht genügte, lag es nah, eine kompromisslose, ambitionierte  Küche zu erwarten. Als das Essen schließlich auf den Tisch kam -  zu Tode gewürzt, zu Kohle gebraten und extrem sauer -  war eine gewisse Verwunderung angebracht.

Nur die Pavlova, das Dessert, kam einem zum Schluss dagegen wie schneeleicht vor. Das Lokal ist schlicht eingerichtet, mit hellen Wänden und dunklem Holzmobilar, aber wenn es sich mit Menschen füllt, strahlt es mit der Lautstärke und der schummrigen Beleuchtung durchaus die Atmosphäre einer Abendbar aus. Dazu passt auch die lange Karte mit Drinks: eigene Kreationen, auch diese relativ hochpreisig. Ein paar unkomplizierte, herzhafte Snacks als Begleitung zu den Getränken würden hier völlig ausreichen. Ohne die Küche zu überfordern.

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

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