Café Ora am Oranienplatz, Innenansicht; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Brasserie - Café Ora am Oranienplatz

Bewertung:

Als 2015 die wunderschöne Oranien-Apotheke nach 150 Jahren aufgab, fürchteten viele, ein Stück Stadtgeschichte würde damit verschwinden. Zum Glück kam es anders.

Ein langer dunkler Tresen, alte Holzschränke mit Dutzenden von beschrifteten Schubfächern oder mit Regalen, in denen Vasen, Gläser und Ampullen aufgereiht sind: Im Inneren des schönen Raums mit den hohen Stückdecken hat sich wenig geändert, seitdem das Café "Ora" die Oranien-Apotheke, eine der ältesten Berlins, "übernommen" hat. Nur Tische und Stühle sind dazu gekommen. Dennoch strahlt das Lokal authentisches Kaffeehausflair aus, ganz anders als die Filialen der bekannten Kaffeeketten, die sich überall breit machen.

Wintergemüse in allen Varianten

Kaffee und Kuchen stehen im Vordergrund, aber es gibt im "Ora" auch eine kleine Karte mit sieben bis acht saisonal abgestimmten Gerichten, mit Wintergemüse wie Schwarzwurzeln, Sellerie, Rote Bete, Topinambur, Rettich und Pilzen. Bis auf ein Fisch- und ein Fleischgericht ist das Angebot vorwiegend vegetarisch. Grünkohlsalat, Rote-Bete-Tarte und Kartoffelsuppe mit geröstetem Knoblauch stehen u.a. zur Auswahl. Alles wird ansprechend in Schalen serviert und ist relativ klein portioniert, zu nicht ganz bescheidenen, aber auch nicht überteuerten Preisen, da die Zutaten biologisch erzeugt und regional sein sollen.

Ästhetik und Portionsgröße  sprechen möglicherweise ein weibliches Publikum an, das leichtes und gesundes Essen bevorzugt. Selbst das Fleischgericht, das sogenannte Bürgermeisterstück vom Rind, ist relativ klein portioniert und nicht so teuer. Es eignet sich daher auch als Mittagsgericht für Menschen mit mäßigem Appetit.

Café Ora am Oranienplatz, Risotto; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Hübsch, aber etwas fade

Ich war auf das Roggen-Risotto mit Sellerie, Schwarzwurzeln und Pilzen neugierig. Die kleine Portion war mit reichlich gebratenen Champignons und Kräuterseitlingen, Schwarzwurzel- und Frühlingszwiebelstreifen angerichtet, dennoch fast zu blass im Geschmack. Es fehlte nicht am Salz, sondern einfach am Aroma. Möglicherweise hätten ein paar getrocknete Steinpilze im Getreide-Sellerie-Risotto einen geschmacklichen Kick gegeben, denn frische Pilze liefern meist nicht viel Aroma, zumal sie nicht mitgegart wurden.

Von meiner Tischnachbarin durfte ich die Lachsforelle mit Anis, Petersilienwurzeln und Rettich kosten. Auch dies war hübsch präsentiert und sehr mild im Geschmack: angenehm, aber nicht hinreißend. Offensichtlich würde ein bisschen mehr Mut und Phantasie beim Würzen nicht schaden. Bestimme Wintergemüse brauchen das, sonst wirken sie etwas fade und langweilig.

Bei Kaffee und Kuchen geht man hingegen auf Nummer sicher: Ob Nusskuchen, Birnen- oder Apfeltarte – alles schmeckt frisch gebacken und erstklassig.

Ein Restaurant im eigentlichen Sinne ist das "Ora" nicht. Dennoch ist die kleine Karte eine sinnvolle Ergänzung, falls man etwas Kleines zwischendurch essen will. Es ist aber ohne Zweifel eines der schönsten Kaffeehäuser der Stadt, das zum Verweilen einlädt und eine Facette des Berlins von früher verkörpert, die man Berlin-Besuchern gerne zeigt.

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

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