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Café – Restaurant – Biergarten - "grigri"

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Im Bezirk Kreuzberg ist oft das Unkonventionelle konventionell und die Ausnahme exemplarisch. Das gilt im besonderen Maße für die Gastronomie.

Am Paul-Lincke-Ufer säumen die unterschiedlichsten Konzepte die Straße, darunter der Platzhirsch Horváth mit zwei Sternen und das kaum weniger renommierte VOLT mit einer gezackten Auszeichnung im Guide Michelin.

Dort wo sich der Trubel langsam auflöst, befindet sich ein Ort, der in so manchem exemplarisch ist – gerade weil es hier im Schatten mächtiger Kastanien eben nicht hektisch zugeht. Das grigri, dessen Namensherkunft im Dunkeln liegt, bietet den Ausblick über den Landwehrkanal nach Neukölln und den auf eine Boule-Bahn. Diesen Ballsport könnte man als Entsprechung einer Gartenveranstaltung sehen, die ebenfalls eher ruhig, wenngleich nicht unbedingt gemütlich wirkt. Denn dafür sind die Sitzgelegenheiten zu hart. Gleichwohl kann man hier am Zusammenfluss zweier Straßen einen ganzen Nachmittag hübsch vertrödeln.

Recht wacker

Auch das Essen bekräftigt den Eindruck. Dafür, dass man beim Essen im Freien fast immer Abstriche (oft sogar empfindliche) machen muss, schlägt sich die Küche recht wacker. Das Schnitzel (9,80 Euro) etwa ist zwar nicht richtig souffliert, besteht aber aus Schweinefleisch von gehobener Qualität und die Panierung ist ordentlich gebräunt. Die Bratkartoffeln dazu sind auf gut Kreuzbergerisch noch in Schale und wurden in der Pfanne lediglich aufgewärmt. Der Salat macht einen voluminösen Eindruck, weil man sich erspart hat, die Blätter zu zerkleinern. Dass in der ganzen Republik ein erschreckender Mangel an Dressing herrscht, ist auch hier zu bemerken. Die Bedienung trägt eine entsprechende Bemerkung mit Humor davon. 

Kleine Fehler, kleine Preise, große Portionen

Auch wenn die auf der Karte versprochene pikante Note fehlt, schmeckt der Rinder-Gulasch (14,50 Euro) genauso so, wie er schmecken muss, die dazu gereichten Semmelknödel stammen nicht aus der Fabrik, sind jedoch ein wenig wässrig. Die ebenfalls im Hause gefertigten Maultaschen (8,00 Euro) betonen die Nudel. Sie sind in eine womöglich sehr kühle Pfanne geraten und ihr recht früh wieder entkommen. Die obligatorischen Zwiebelringe scheinen im Fett ermattet und ziemlich lau.

Dafür teilen die recht festen Milchreisnocken in Rautenform sofort die Temperatur im Kühlraum mit. Ananas und Melone fangen sie auf. Auch das beinahe schon gesetzlich vorgeschriebene Minzblatt fehlt nicht. Dass Rezepte in Kreuzberg höchstens vage Vorschläge sind, unterstreicht der Schokoladenkuchen: Er schmeckt nämlich nach Zimt – in diesem Fall eine angenehme Variante. Alles in allem kleine Fehler, kleine Preise und große Portionen.

Thomas Platt, kulturradio  

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