"Erbeeren"; © dpa/blickwinkel
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Zuhause kochen mit Elisabetta Gaddoni - Zeit für Erdbeeren

Endlich gibt es im Handel Früchte, die tatsächlich nach Erdbeeren duften und schmecken und nicht nur so aussehen! Es ist also Zeit, diese sinnlichen Früchte, die seit jeher die Phantasie von Dichtern und Künstlern beflügeln, in vollen Zügen zu genießen. Pur oder in sommerlichen Variationen des klassischen Desserts "Tiramisu".

Erdbeeren reifen nicht nach. Schon aus dem Grund erübrigt es sich, Erdbeeren zu kaufen, die lange Wege hinter sich haben. Eine so leicht verderbliche Frucht verträgt keine lange Lagerung. Sie muss, um voll ihr Aroma zu entfalten, reif gepflückt und sofort an die Verbraucher gebracht werden. Das bedeutet, es kommen nur lokale Erdbeeren infrage, deren Saison in unserem Breitengrad erst Ende Mai anfängt. Die meisten reifen noch unter sogenannten Folientunneln: Sie sind besser geschützt als Freilanderdbeeren, bekommen aber die Sonne nicht direkt zu spüren und sind daher oft nicht ganz so vollaromatisch wie die Freilanderdbeeren, die langsam reifen.

Wichtig beim Kauf ist darauf zu achten, dass unten am Karton keine Flecken sind. Wenn die Erdbeeren nässen, ist das ein Zeichen, dass sie schon zu reif sind oder matschige Stellen haben und daher auch anfällig für Schimmel sind.

Mara und Mieze

Ob Erdbeeren aromatisch oder nicht sind, hängt auch von der Sorte ab. Die, die kommerziell angebaut werden, sind nicht unbedingt nach dem Geschmack ausgewählt worden, sondern, weil sie fest und wenig druckempfindlich sind, sodass man sie länger lagern kann. Auch sollen sie beim Anbau weniger anfällig für Krankheiten sein. Trotzdem kommt beim konventionellen Anbau ziemlich viel Chemie zum Einsatz. Wenn man ganz auf Pestizide und chemischen Düngemitteln verzichtet – wie bei Bio-Erdbeeren – kommen nur bestimmte, sehr robuste Sorten infrage, die vom Ertrag her nicht so günstig sind. Deswegen ist das Angebot an Bio-Erdbeeren so gering (nur 4 % des gesamten Angebots) und der Preis entsprechend hoch.

Bei konventionell angebauten Erdbeeren sind es Frühsorten wie "Clery" und "Fleur", die jetzt in den Handel kommen und relativ aromatisch sind. Dann gibt es spätere Sorten wie "Ostara". Den intensivsten Geschmack haben allerdings Sorten wie "Mieze Schindler", "Mara de Bois" oder "Polka", die kommerziell aber nicht relevant sind, weil sie nicht lagerfähig sind und ihr Ertrag zu gering ist. Sie eignen sich allerdings für den Selbstanbau: Die Pflanzen kann man kaufen. Und wenn man es schafft, auch nur ein paar von den Früchten vor den Schnecken zu retten, hat man ein unvergleichliches Geschmackserlebnis, das an wilde Walderdbeeren erinnert!

Mit oder ohne Sünde

Die Erdbeere gilt seit je als die sinnliche Frucht schlecht hin. In Hieronymus Boschs Triptychon "Der Garten der Lüste" symbolisieren die Erdbeeren die Paradiesfrucht, die die Menschen genießen dürfen ohne zu sündigen. Ganz anders bei Francois Villon, der zeitgleich lebte und in einer Ballade, später von Paul Zech umgedichtet, nach dem Erdbeermund seiner Angebeteten verlangte.

Auch in der heutigen Zeit stehen Erdbeeren für sinnliche Freude: als Mittel zur Verführung von Champagner begleitet wie im Film "Pretty Woman", oder als verbotener Genuss, wie in Detlef Buchs Kinderfilm "Hände weg von Missisippi", in dem sich Kinder auf ein Erdbeerfeld legen, um sich vor dem Bauern zu verstecken: Sie schauen still in den blauen Himmel und stopfen sich den Mund voll mit Erdbeeren.

So gut reife Erdbeeren auch schmecken mögen, kann ihr Geschmack dennoch gesteigert werden, indem man sie als Tiramisu anrichtet – natürlich ohne Espresso. In dieser sommerlichen Variante sind die Löffelbiskuits, mit denen man die Form oder die Gläser auslegt, statt mit Cognac oder anderen Likören mit verdünntem Limoncello getränkt, während die Mascarponecreme mit geriebener Zitronenschale aromatisiert wird und die geviertelten Erdbeeren mit gehackter frischer Minze und etwas Kastanienhonig, dessen Holznoten den Früchten das intensive Aroma der Walderdbeeren verleiht. Dies gilt übrigens auch für Balsamico, den dickflüssigen und säurearmen balsamischen Essig: Schmeckt man damit einen grünen Salat mit Olivenöl und Salz, Erdbeeren und Sechuan-Pfeffer ab, wird man sich auch die Frage stellen: Wo kommen die Walderdbeeren her?

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

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