W. - der Imbiss, Innenansicht; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Restaurant - W - der Imbiss

Bewertung:
Indische Italo-Tex-Mex-Fusionküche mit Südseeflair

"Imbiss" klingt fast zu bescheiden für das hübsche Lokal, das zwar lang und schmal ist, dennoch viel Platz anbietet. Mini-Restaurant würde man es bezeichnen, im Unterschied zum ersten "W", das es seit 2001 in der Kastanienallee gibt und das um einiges kleiner ist.

Auch in der neuen Schöneberger Filiale mutet das Interieur exotisch an: Der Raum ist komplett mit Bambus ausgelegt, Wände wie Boden. Bunte, gepolsterte Sitzecken, kleine und große Südseestatuen und Exotica-Musik im Hintergrund runden das Ganze ab. Am Ende des Raums befindet sich die offene Küche, mit dem indischen Tandoor-Ofen, in dem das Fladenbrot Naan frisch gebacken wird und der Holzofenduft verströmt.

Von dem indischen Subkontinent stammen auch die zwei Mitarbeiter. Der Gründer und Chef selbst, Gordon W., stammt allerdings aus Toronto, ist vor 20 Jahren als Schauspieler nach Berlin gekommen und ist als Gastronom geblieben. Die Küche, die er anbietet, holt sich Inspiration und Zutaten sowohl aus der indischen Küche, als auch aus der italienischen, der kalifornischen und der mexikanischen.

Es gibt Currys in vielen Varianten, Salate mit Sprossen, Lachs, Avocado oder Tofu, sowie Wraps und Burritos mit Bohnencreme und vielerlei Pizzavarianten, bestehend aus Naan-Brot als Basis und Belag nach Wunsch.

W. - der Imbiss, gemischte Platte; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Gestern exotisch, heute Mainstream

Ein Tasters-Menu für zwei (20 Euro) lädt dazu ein, zehn verschiedene Spezialitäten zu probieren. Vieles wird in kleinen Schälchen serviert: Gemüsecurry mit Blumenkohl und Zucchini, Oliven-Tapenade, Guacamole, Auberginencreme, Chutney, etwas marinierter und gegrillter Lachs, ein kleiner Salat mit süßlichem Dressing, ein kleines Salat-Wrap, eine mit Bohnencreme gefüllte Tortilla und Naan-Brot dazu, eins davon etwas zu schwarz geraten.

Richtig gut hat der Lachs geschmeckt, innen noch butterzart und außen aromatisch gegrillt. Der Rest war zwar ansprechend zusammengestellt, aber geschmacklich eher durchschnittlich, dennoch delikat und angenehm gewürzt. Allerdings mutet diese Multikulti-Fusionsküche in exotischem Ambiente heute nicht mehr so neu an wie 2001, als der erste "W" in der Kastanienallee eröffnete.

Der Chef, der auch damals im Fünfzigerjahre-Outfit, mit Borsalino und schmalem Oberlippenbart hinter dem Tresen stand, reichte den Kunden Drinks aus Weizengras, die zu der Zeit kaum jemand kannte, während aus den Boxen die silberne Stimme von Yma Sumac zwitscherte. Das Logo mit dem W, das an das umgedrehte McDonalds-M erinnerte, hatte wahrscheinlich die spielerische Absicht, Fast-Food-Gegner zu irritieren.

Die neue Filiale scheint heute aber gerade auf die korrekte und gesundheitsbewusste Kundschaft zu setzen, denn über dem Eingang ragt ganz groß die Schrift "Vegan & Vegetarisch", obwohl es auch Fisch und Milchprodukte auf der Karte gibt. Aber selbst dann: Letztendlich ist die phantasievolle kulinarische Fusion von damals, die schräg und kosmopolitisch wirkte, heute kaum mehr exotisch, sondern Inbegriff der gesunden hippen Küche, die mittlerweile in den Cafés und Bars in jeder Großstadt angeboten wird.

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

Weitere Rezensionen

© Ristorante Lagalante
Ristorante Lagalante

Italienisches Restaurant - "Lagalante"

Man kann seine Arbeiten sehr italienisch nennen oder überhaupt nicht italienisch: Antonio Lagalante scheint sich einerseits als Hüter der Tradition zu verstehen.

Bewertung:
Mama Trattoria, Außenansicht; © Carsten Kampf
Carsten Kampf

Italienisches Lokal - "Mama Trattoria"

Ein neues Lokal am Theodor-Heuss-Platz beruft sich auf Mutters Küche. "Mama Trattoria" bietet Klassiker der italienischen Küche an. Die Gerichte, mit Bio-Zutaten und in vegetarischen oder veganen Varianten erhältlich, überzeugen aber nicht immer.

Bewertung: