"BRLO BRWHOUSE"; © Seren Dal
Bild: Seren Dal

Brauerei – Restaurant – Bar – Biergarten - "BRLO BRWHOUSE"

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Wer bei anständigem Bier gut unterhalten und anständig beköstigt werden möchte, ist im "BRLO" richtig. Das geht schon mit dem Bier los. Die Stammsorten wie Helles, Pale Ale, German IPA, Porter und Berliner Weisse vom Hahn sind nicht allein deshalb vorzüglich, weil sie im Hause gebraut werden.

Vermutlich bekommt jede Generation die Biergärten, die sie verdient. Würde man jedoch ein solches öffentliches Gehege am Rande des neu entstandenen Parks beim Gleisdreieck als symptomatisch ansehen, bekäme man womöglich ein allzu wohlgefälliges Bild von der biertrinkenden Jugend der Stadt. Aber immerhin zeugt sein Erfolg nun in der zweiten Saison vom guten Geschmack einer ziemlich breiten Gästeschicht.

Es mag wohl sein, dass in diesem modernen "BRWHOUSE" letztlich Stilfragen über der Substanz rangieren, aber das macht dem nichts aus, der einen Nachmittag oder Abend hip sein möchte oder eben camp. Oder einfach nur gut unterhalten und anständig beköstigt. Bänke und Sitze über Kies und Mulch sind auch Aussichtspunkte. Zudem gibt es ein Namensrätsel. Das mit Vokalen des Vertrauens zu versehende Wort kann durchaus der alt-slawische Ursprung des Namens Berlin sein und bedeutet (das verwundert nicht) mehr oder weniger korrekt übersetzt "Sumpfgebiet".

Frisch und süffig

Das Hipsterhafte mag auch damit zusammen hängen, dass das BRLO in so wenigem dem gleicht, was sonst so in der Maske unschuldigster Biederness unter freiem Himmel ausgeschenkt beziehungsweise serviert wird. Das geht schon mit dem Bier los. Die sogenannten Stammsorten wie Helles, Pale Ale, German IPA, Porter und Berliner Weisse vom Hahn sind nicht allein deshalb vorzüglich, weil sie im Hause, besser wohl in einem der Container des improvisierten Areals gebraut werden – an anderen Orten hat man schon geradezu sektiererische Brauergebnisse zu sich nehmen müssen –, sondern weil sie im Bewusstsein des relativ engen Geschmacksspektrums des Getreideweins hergestellt werden. Deshalb wird die Frische betont und die Süffigkeit, was wiederum zu eher schlanken, also wenig süßen oder übermälzten "Körpern" führt.

"BRLO BRWHOUSE"; © Seren Dal
Bild: Seren Dal

Bester Fasswein der Hauptstadt

Das Helle ist herb angelegt, jedoch um eine Nivellierung der Bitterstoffe durch rasche Ausbreitung bemüht, doch zugleich sehr präsent, ohne laut zu sein. Es bietet Genuss auch nach dem alles entscheidenden ersten Schluck. Nur zum Vergleich: Bei Industriebier wird er niemals mehr wieder eingeholt, während das saftig-volle Pale Ale vorführt, warum von flüssigem Brot gesprochen wird.

Das Dark Ale lehnt sich an Whisky, ohne dessen alleinige Autorität anzuerkennen, und das straffe Weizen führt endlich einmal vor, warum es einmal so überaus beliebt war. Allein schon wegen seines beachtlichen Volumens bedarf es keines Sirup-Zusatzes. Es äußert braueigene Töne die von Orange und Rhabarber bis zu Muskat und Zimt reichen. Und jedesmal wieder ist es die Frische, die auch dann noch beeindruckt, wenn die die Fasskälte endgültig gewichen ist. Dennoch sind Sonne und Bier kein Gesetz. Der fruchtige Gutsriesling trocken vom Weinhof Scheu, Schweigen in der Südpfalz erweitert den Fächer flüssiger Genüsse auf eigenwillige Weise. Es erscheint nicht übertrieben, vom wohl besten Fasswein der Hauptstadt zu sprechen.

Dem Besonderen treu

Auch Speisen, die sich in Mengen, wenn nicht Massen umsetzen lassen, können Züge tragen, die an die Handschrift eines Kochs oder wenigstens eine kulinarisch interessierte Oberaufsicht denken lassen. Zum Beispiel die Ribs vom Freilandschwein der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (250 g 9,00 Euro). Sie, die saftigen, auch smokigen Rippchen sind süßlich mariniert worden und mit Sinn für Wucht gegart – und auch wenn sich hier eine Küche zu erkennen gibt, die auf Vorbereitung angewiesen ist, bleibt sie dennoch dem Besonderen treu, was sich nicht zuletzt in einer heftig gewürzten Barbecue-Sauce niederschlägt sowie in einem Sauerkraut, das von Rauchnoten (es könnte sich um "liquid smoke" handeln, ein Präparat, das eine Räucherkammer überflüssig macht) durchwirkt ist. Das "Philly Cheese Sandwich" hat es in sich. Dort spielen säuerlicher Weißkäse mit einem geräucherten Nackensteak vom Rind und Sauerteigbrot gut zusammen (9,50 Euro).

"BRLO BRWHOUSE"; © Seren Dal
Bild: Seren Dal

Sensibler Meister

Man denke nur kurz an das typische Biergarten-Schnitzel, das meistens aus der Fabrik stammt und obendrein unpräzise reanimiert wird (eins bedingt das andre), um zu ermessen, welchem Orbit dieses Konglomerat aus Ideen und Improvisationen tatsächlich angehört. Demgegenüber kann schon ein nicht weiter bedeutungsvoller Teller mit mit einem sehr geschmeidigen, vielleicht zu vorsichtig mit der Sesampaste Tahin untermischten Hummus samt Schafskäse, Olivenöl und übergrilltem Gemüse ein Ereignis sein (8,00 Euro). Zumal das herzhafte Brot vom Rost für sich bereits eines ist.

Während Küchenchef Ben Pommer draußen vor allem auf kontrollierte Grillhitze setzt und dem Deftigen (hin und wieder auch kräftig gesalzenen) frönt, tritt er im Inneren der Container als sensibler Meister auf. Besonders interessant ist dort sein Verständnis des Tellers als eine Art Landschaft. Davon wird noch gesondert zu reden sein. Von sich reden machen wird Pommer ohnehin.

Thomas Platt, kulturradio  

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